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Serie "Die Schlange"Aalglatt, hochgradig manipulativ und ein Serienkiller

Spannendes Katz-und-Maus-Spiel im Bangkok der 1970er-Jahre. Der Serienmörder Charles Sobhraj bringt mehrere Rucksacktouristen um und narrt nicht nur die Polizei. Nach einer wahren Begebenheit.

Tahar Rahim und Jenna Coleman als mörderisches Duo
Tahar Rahim und Jenna Coleman als mörderisches Duo © BBC/© Mammoth Screen (Roland Neveu)
 

An Selbstbewusstsein hat es den Serienmörder Charles Sobhraj, so scheint es, nie gemangelt: Gleich zu Beginn eines Interviews fährt er einer Journalistin in die Parade: „Die erste Frage muss lauten: Haben Sie gemordet?“ Daran besteht kein Zweifel, denn Sobhraj ist keine Kunstfigur, sondern ein echter Serienkiller, der 1975/1976 entlang des sogenannten Hippietrails Rucksacktouristen ermordet hat, um an ihre Pässe und ihr Geld zu kommen.

Die Serienumsetzung ist farbenfroh: Ob Bangkok oder Nepal, es ist bunt, laut und sehr 1970er, ohne übertrieben zu wirken. Tahar Rahim gibt den aalglatten und manipulativen Charmebolzen Charles Sobhraj, der sich nicht nur bei seinen künftigen Opfern einschmeichelt, sondern rund um sich ein Netzwerk von Helfern aufbaut, die ihm hörig sind. Allen voran seine Freundin Marie-Andrée Leclerc (Jenna Coleman). Die wankt und schwankt bisweilen in ihrer Überzeugung, aber macht trotzdem brav mit. Wie auch diverse öffentliche Stellen – etwa die Botschaften der einzelnen Herkunftsländer – durch ihr Nichthandeln. Das spürt auch der engagierte Botschaftsmitarbeiter Herman Knippenberg (Billy Howle), als ein holländisches Hippiepärchen spurlos verschwindet. „Knippenberg findet ein paar Langhaarige nicht“, meint ein Kollege süffisant. Diese Ignoranz spielt dem Serienkiller lange Zeit in die Hände.

Doch Knippenberg gibt nicht auf, recherchiert im Hintergrund und kommt Charles Sobhraj bald auf die Spur, doch Sobhraj ist, wie im echten Fall auch, wendig wie eine Schlange. Locker, flockig und skrupellos gibt Tahar Rahim den Serienkiller, bei dem man, im Vergleich zu anderen Charakteren, nur wenig in die Tiefe geht. Und doch entwickelt die Serie einen Sog, der vor allem auch dem Katz-und-Maus-Spiel mit Knippenberg geschuldet ist. Der Versuch, mehrere parallele Handlungsstränge mit schnellen Rückblenden aufzuziehen, ist maximal anstrengend. Zu schnell wird hin und her gesprungen. Womit die achtteilige Serie jedoch punkten kann: Sie fängt das Gefühl dieser Zeit und ihre Sehnsucht nach Freiheit und Exotik sehr gut ein.

"Die Schlange": auf Netflix

Kommentare (1)
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melahide
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Lesenswert?

Und

Wo kann man da sehen? *gähn* Netflix. Weil die Kleine Zeitung scheinbar nur einen Streaming Dienst kennt