NachtkritikRoger Waters in Wien: Ein lebend(ig)er Klassiker

Das Masternind der Kultband Pink Floyd beehrte Österreich: Jahrhundertmusiker Roger Waters machte im Rahmen seiner "Us + Them"-Tour in der Wiener Stadthalle Station.

KONZERT: ROGER WATERS
Pink Floyd-Legende Roger Waters reüssierte in der Wiener Stadthalle © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Roger Waters, 74, ehemaliges Mastermind von Pink Floyd, entstammt der britischen Arbeiterklasse. Eine Prägung, die er auch als Multimillionär nicht verloren hat. Mit seinem Opus Magnum „The Wall“ umrundete er vor fünf Jahren die Erde und spielte 219 Konzerte. Auf seiner neuen „Us And Them“-Tour sollen es immerhin 114 Auftritte werden. Mittwochabend war er wieder einmal in Wien.

Gemessen an der „Wall“-Gigantomanie wurde es in der vollen Stadthalle diesmal ein fast intimer Abend, falls man es bei rund 10.000 Besuchern, übrigens viele von ihnen erstaunlich jung, so nennen kann. Gewiss, Waters bot vibrierende Sensurround-Klangwogen und jede Menge beeindruckender Projektionen.

KONZERT: ROGER WATERS
Foto © APA/HANS KLAUS TECHT

Seine Mitmusikanten spielten einigermaßen werktreu, und so durfte sich die Klientel zweieinhalb Stunden lang an legendären Hits wie „Time“, „The Great Gig In The Sky“, „Money“, „Wish You Were Here“ und natürlich „Another Brick In The Wall“ laben. Eingestreut wurden Stücke des neuen Albums von Roger Waters „Is This The Life We Really Want?“ Dass zwei stimmenstarke, blond perückte Support-Sängerinnen affige Synchronbewegungen machen mussten, lässt am Frauenbild von Waters zweifeln.

Roger Waters in der Wiener Stadthalle

Beim Rock-Senior läuft alles sehr geordnet ab: Keine Vorband, einigermaßen pünktlicher Beginn, Pause nach rund einer Stunde. Da gab es, wie bei diesem engagierten Linken seit Jahren üblich, wieder politische Bildung: Waters ließ eine Liste von seiner Meinung nach neofaschistischen Staatenlenkern projizieren, denen sein Publikum widerstehen möge. Zwischen Trump, Le Pen, Putin und Orban kam auch Sebastian Kurz zu dieser zweifelhaften Ehre.

Wütende Lektion

Das zweite Set geriet zu einer wütenden Lektion: Donald Trumps bizarrste Sprüche wurden riesig projiziert, ebenso wie Dritte-Welt-Elend und Szenen aus Nahost. Stalin, Mao, Netanjahu, Berlusconi, Kim, Assad bekamen ihr Fett ab.

Aber in Summe ist Roger Waters Schaffen ein weiterer Beleg dafür, dass er und seine Generation damals keine musikalischen Sternschnuppen sondern eine solide neue Klassik geliefert haben, deren etwaiges Ablaufdatum noch in ferne Zukunft liegt.

Der Abend wurde heftig bejubelt.

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