Ausführlicher NachrufZum Tod von Chester Bennington: "Schockiert und untröstlich"

Die Rock-Welt trauert um den Linkin-Park-Sänger Chester Bennington. Wegbegleiter sind bestürzt. Ein ausführlicher Nachruf.

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Chester Bennington war noch vor wenigen Wochen am Nova-Rock-Festival zu Gast © APA/HERBERT P. OCZERET
 

Als sie um die Ecke bogen, lag der Nu-Metal-Hype eigentlich bereits in den letzten Zügen. Doch die US-amerikanische Band Linkin Park verstand es um die Jahrtausendwende, mit einer oberflächlich aggressiven Attitüde, dabei höchst eingängigen Melodien die Massen für harte Sounds zu begeistern. Wesentlichen Anteil daran hatte Sänger Chester Bennington, der nun überraschend verstorben ist.

Geboren wurde Bennington am 20. März 1976 in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Sein Interesse für Musik entwickelte sich bereits in jungen Jahren, wobei zu den favorisierten Bands des Jugendlichen auch Acts wie Depeche Mode oder Stone Temple Pilots gehörten - mit letzteren stand er in den vergangenen Jahren mehrfach auf der Bühne und fungierte als deren Sänger. Seine Jugend war aber auch von Drogenproblemen geprägt, wie Bennington später in Interviews zugab. Außerdem sei er von einem älteren Bekannten sexuell missbraucht worden.

 

Los Angeles: Linkin-Park-Frontmann ist tot

Die Trauer um den mit 41 Jahren verstorbenen Musiker Chester Bennington ist groß. Er hinterlässt eine Frau und sechs Kinder.

(c) APA/AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA (PATRICIA DE MELO MOREIRA)

Der Frontmann der US-Band Linkin Park kämpfte seit Jahrzehnten gegen seine Alkohol- und Drogensucht, die schon in der Schulzeit ihren Anfang genommen haben sollen.

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NOVA ROCK 2017: KONZERT - LINKIN PARK

Aus seiner Sucht machte er ebenso wenig ein Geheimnis, wie aus den Depressionen, unter denen er litt.

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In wenigen Tagen hätte Bennington mit Linkin Park und dem neuen Album "One More Light" zu einer neuen Tournee aufbrechen sollen.

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Linkin Park zählt zweifellos zu den erfolgreichsten Rockbands der Welt. Nicht nur in den USA, auch in Europa sind sie Superstars. Zu ihren erfolgreichsten Hits zählten "Numb" und "In the End".

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Weitere Bilder.

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Der Erfolg als Musiker stellte sich um 2000 ein: Über einen Manager wurde der Kontakt zu einigen Kollegen hergestellt, die Gruppe hörte danach zunächst auf den Namen Hybrid Theory. Man hinterließ erste Spuren in der aufkeimenden Netz-Community, veröffentlichte eine EP und entschied sich danach, als Linkin Park weiter an der eigenen Karriere zu basteln. Diese ging dann bereits mit dem ersten Album, naheliegend auf "Hybrid Theory" hörend, durch die Decke.

 

Während die Instrumentalisten für knackige, selten die Drei-Minuten-Marke überspringende Stücke im Nu-Metal-Stil jener Zeit sorgten, gab Bennington gemeinsam mit Kollegen und Rapper Mike Shinoda ein eigenwilliges Duo.

Er war zuständig für melancholische Töne wie kreischendes Geschrei, während Shinoda den eifrigen Wortakrobaten gab. Damit traf man schlicht den Nerv der Zeit. Härtere Brocken wie "Papercut" stellten die Metalfraktion zufrieden, eingängige Singles wie "In The End" sorgten für ausreichend Radio-Airplay auf der ganzen Welt. Die Verkäufe werden bis heute mit weit über 15 Mio. Stück angegeben - neue Superstars waren geboren.

 

Für die sechsköpfige Gruppe, deren Aushängeschild Bennington schnell wurde, waren die folgenden Jahren aber nicht immer einfach. Drei Jahre dauerte es bis zum Nachfolger "Meteora", der noch in eine ähnliche Kerbe schlug. Danach war der Druck seitens Plattenlabel wie Fans aber kaum zu leugnen, gingen Linkin Park doch höchst unterschiedliche Wege, um ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen.

 

Remix-Alben mit befreundeten Electronic- und Rap-Künstlern, Studioexperimente, bekannte Namen wie Rick Rubin an den Reglern und zuletzt mit "One More Light" ein lupenreines Popalbum - vieles wurde ausprobiert, brachte hohe Chartpositionen, aber auch immer lauter werdende Kritik aus der Branche wie von vergraulten Anhängern.

Gerade die Stimmen zum Mainstreampop der aktuellen Platte stießen Bennington sauer auf. Gegenüber "Music Week" hatte der Sänger dafür ziemlich harsche Worte parat, die er aber später wieder relativieren sollte. Grundsätzlich zeigte sich die Band aber überzeugt von ihrem Weg, wie auch Benningtons Kollege Brad Delson beim diesjährigen Auftritt der Gruppe am Nova Rock gegenüber der APA festhielt. So sei es zwar immer schwierig, Risiken einzugehen. Aber: "Wenn du dich als Künstler nicht herausforderst, was machst du dann?" Am Zuspruch der Masse schien die Neuausrichtung ohnedies wenig zu ändern, landete man doch erneut ganz oben in den Verkaufscharts.

Vielseitig engagiert

Neben Linkin Park und den insgesamt sieben Studioalben sowie unzähligen weiteren Veröffentlichungen der Gruppe war Bennington aber auch in anderen Projekten aktiv. Beispielsweise bei Dead by Sunrise, 2005 von ihm gegründet, oder das bereits erwähnte Engagement bei Stone Temple Pilots. Der sechsfache Vater, der in zweiter Ehe verheiratet war, wurde nun am gestrigen Donnerstag in seinem Haus nahe Los Angeles tot aufgefunden. Kollegen und Weggefährten zeigten sich darüber sprachlos. "Schockiert und untröstlich", twitterte etwa Shinoda. Bennington wurde 41 Jahre alt.

Kommentare (2)
sterzi
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Interessant

dass die Kleine Zeitung darüber so ein Tamtam macht. Normalerweise berichtet die Kleine nicht über Selbstmorde.
Am gleichen Tag ist eine deutsche Schlagersängerin tragisch und viel zu früh gestorben, das ist nur einen winzigen Bericht wert.

DearReaders
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Ganz einfach

Ähm... Relevanz?