Zur ORF/RTL-SerieSisi ohne Zuckerguss und Film-Schminke

Das einst unbeschwerte bayerische Prinzesserl unter dem Druck des Kaiserhofes und der bösen Schwiegermama: Die Film-Trilogie aus den 1950er-Jahren prägte das Bild der Kaiserin Elisabeth. Ganz so süß war die Geschichte um Sisi nicht. Aber auch nicht so bitter, wie es die neue Serie will.

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Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid
Kaiserin Elisabeth im Sternenkleid, auf dem berühmten Gemälde von Franz Xaver Winterhalter aus dem Jahr 1865 (Ausschnitt). © Austrian Archives / Imagno / picturedesk.com (Austrian Archives)
 

Sie wissen nicht, wie ich diese Frau geliebt habe“, sagte Kaiser Franz Joseph zu seinem langjährigen Generaladjutanten und Vertrauten Eduard von Paar nach dem Eintreffen der Nachricht, dass Kaiserin Elisabeth vom Anarchisten Luigi Lucheni ermordet worden war. Das Ende einer Beziehung, die seit Jahrzehnten rund um Weihnachten via Fernsehen in den heimischen Wohnzimmern zu Tränen rührt. In den 1950er-Jahren drehte Regisseur Ernst Marischka die Sisi-Trilogie über das Werden und Sein der jungen Kaiserin Elisabeth, mit Romy Schneider in der Titelrolle und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Um einige historische Eckpfeiler windet sich Kitsch fernab der Tatsachen. Auch die Neuauflage dieser kaiserlichen Liebesgeschichte meinte es mit den Fakten nicht viel besser.

Nun, was stimmt, ist, dass eigentlich Elisabeths ältere Schwester Helene Gemahlin des österreichischen Kaisers werden sollte. So hatten es Erzherzog Sophie, die Mutter von Franz Joseph, und deren Schwester Ludovica, Herzogin in Bayern und Mama der Prinzessin, vereinbart. Der 23 Jahre alte Kaiser allerdings erkor Helenes Schwester, die erst 15-jährige Elisabeth zur Herzensdame und machte sie 1854 zu seiner Kaiserin. Die Erwählte stammte aus einer unbedeutenden Seitenlinie der bayerischen Wittelsbacher. Das vom Marischka-Epos gezeichnete Familienidyll auf Schloss Possenhofen am Starnberger See existiert nur im Film. „Papili“ Herzog Max war kein sorgender Familienvater, sondern ein Filou, der durch die Welt reiste, im Zirkus mit einer Pferdenummer auftrat und zahlreiche außereheliche Liebschaften pflegte.

Die Trilogie schaffte es aber, andere Bilder fest zu verankern. Dass etwa die kaiserliche Mama Sophie eine ekelhafte Person gewesen sei, welche die arme Elisabeth schikanierte, während der Franzl hin und her gerissen war zwischen strenger Mama und süßer Gemahlin. Die neue „Sisi-Serie“, die wenigstens den Kosenamen der Kaiserin richtig wiedergibt, zeigt den blutrünstigen Kaiser lüstern im Bordell, heimlich beobachtet von seiner Elisabeth. Dass er heldenmütig seine Braut bei einem Überfall von Aufständischen heraushaut, entspring der Fantasie der Drehbuchschreiber. Dass das Attentat auf den Kaiser in der Serie zeitlich falsch versetzt wird, ist eine der harmloseren Ungenauigkeiten.
Dass Franz Joseph ein Lusthaus besuchte, ist auszuschließen. Wohl aber hatte er außereheliche Beziehungen, denen er diskret nachging. Etwa mit Anna Nahowski, die er im Park von Schönbrunn kennengelernt hatte und die dem Monarchen über zehn Jahre als Geliebte diente, was er ihr finanziell aufwog. Später umsorgte die Burgschauspielerin Katharina Schratt den von seine Elisabeth zumeist verlassenen Kaiser. Es heißt, Elisabeth habe diese Beziehung mit der „gnädigen Frau“ wohlwollend gefördert, sogar eingefädelt.

Kommentare (12)
Vielgut1000
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Widersprüchliche Meinungen zu Helene/Elisabeth.

Zur Meinung, dass eigentlich Helene zur Gemahlin von Kaiser Franz Joseph auserwählt wurde, gibt es widersprüchliche Meinungen. Siehe Wikipedia Elisabeth von Österreich-Ungarn." In der historischen Literatur wurde wiederholt die Behauptung aufgestellt, Erzherzogin Sophie habe daraufhin mit ihrer jüngeren Schwester Ludovika den Plan geschmiedet, Herzogin Helene in Bayern, Ludovikas älteste Tochter, mit dem Kaiser zu verheiraten. Quellenuntersuchungen haben allerdings ergeben, dass zeitgenössische Quellen fehlen, um diese Behauptung zu belegen. Gabriele Praschl-Bichler, die private Briefe der Habsburger zu dieser Zeit ausgewertet hat, kommt zu dieser Schlussfolgerung,[5] ebenso der Historiker Christian Sepp, der die vorhandene Korrespondenz von Herzogin Ludovika ausgewertet hat.[6]"

grundner10
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Historizität, Fehlanzeige

An dieser Serie ist nichts historisch Korrektes zu finden. Da hätten die Serienmacher gleich eine fiktive Geschichte kreieren können. Seit wann liegt Bad Ischl an einem See? Alles falsch, außerdem hat sich FJ in Sisi verliebt und nicht umgekehrt.

lieschenmueller
2
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Der einzige Lichtblick war die hübsche Darstellerin der Sisi,

beim Kaiser und bei der Hofdame Esterhazy glaubte man sich im Gruselkabinett. Das einzige, was ihr Gemahl drauf hatte, war der starre, furchteinflößende Blick. Außerirdische Kräfte muss er ebenfalls gehabt haben, schlug er allein eine ganze Räuberbande in die Flucht.

Dass er mitten in der Schlacht an gefährlicher Stelle für Volk und Vaterland kämpfte, gehört wohl auch ins Reich der Fabel.

Da ist mir der Sissi-Schmonzes mit Romy Schneider lieber als dieser Topfen von RTL. Den ich natürlich von Folge 1 bis 6 geschaut habe :-)

Hochglanzbilder, dennoch grottenschlecht.

ego57
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Ich habe die Marischka - Trilogie sicher schon 10 mal gesehen

war aber neugierig auf die neue und hab es auch durchgezogen - bis zum Ende. Fazit: Einmal reicht definitif! Es ist mir durchaus bewusst, dass es nicht den Tatsachen entspricht, wie es in den 50- ern dargestellt wurde, nur was jetzt daraus gemacht wurde ist sicher auch nicht der Wahrheit geschuldet. Die Besetzung war für mich enttäuschend, die Lokalitäten absolut nicht autentisch, auch die Tonqualität lässt zu wünschen übrig. Im Übrigen frage ich mich, warum nach den Teilen 1 bis 4, jeweils mit Start um 20:15 der harte Kern am Donnerstag bis nach 22:00 Uhr warten musste auf die letzten beiden Episoden? Alles in allem war es eine Enttäuschung!

lieschenmueller
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10
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was jetzt daraus gemacht wurde

Hanebüchen fällt mir dazu ein.

Von Anfang an diese Düsternis. Es ist mir schon klar, dass es eine deutsche Produktion ist, aber Schauspieler mit etwas Österreichischem in der Sprache müssten dennoch zu finden gewesen sein statt dem, was geboten wurde. Ausnahme war Sisis Mutter, die wunderbare Julia Stemberger. Aber was man ihr da aufgezwungen hatte, war was? Öster-Bayrisch?

Die freundschaftliche Beziehung zu der Prostituierten, die dann ihre Vertraute am Hof wurde. Welchen Gedanken ist DAS entsprungen? Leider versäumt* habe ich, warum das dann in die Brüche ging und sie relativ verarmt in Wien lebte.

In weiterer Folge sie zur Geburt gerufen wurde, wieder eine innige Beziehung entstand, die beendet wurde, als das Amulett beim Attentäter gefunden wurde, und ein Verrat angedacht war, der am Galgen für die Frau endete. Als sie zum Schluss unter den Rock von Sisi kraxelte, fragte ich mich, was der Drehbuchschreiber eingeworfen hat um diese Szene entstehen zu lassen.

*DAS tät mich interessieren. Zur Abrundung des Ganzen. Weiß das wer? In der TV-Thek gebe ich mir die Serie nicht mehr. 1 x war genug.

dizeit
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*DAS tät mich interessieren. Zur Abrundung des Ganzen. Weiß das wer?

Hi, sie wurde von Gräfin Esterhazy enttarnt und flog vom Hof.

lieschenmueller
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Daaanke vielmals,

da muss ich kurzzeitig mir einen Tee gemacht haben oder den Hund in den Garten gelassen.

ego57
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Liebe Namensvetterin - sagt man das so?

Diese sexistische, um nicht zu sagen pornographische zur Schaustellung hat mich vom Beginn des Films an abgestoßen, dazu die rohe Brutalität ausgehend vom Kaiser gegenüber der jungen Braut/Kaiserin; nicht dass ich so verschroben bin, nur im Zusammenhang mit dem Thema ist mir das alles schon sehr seltsam vorgekommen ....wünsche ein wunderschönes Neues Jahr, LG Elisabeth

lieschenmueller
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Ebenfalls ein Jahr 2022 mit vielen Glücksmomenten

von einem Nickname-Lieschen zu einer "wirklichen Elisabeth". Welch schöner Name!

ego57
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Danke, ist wohl auch schon beinahe historisch:

Meine Großmutter und meine Mutter hießen auch schon Elisabeth und ich selbst habe lange darum gekämpft, Elisabeth gerufen zu werden und nicht Lisbeth, Elli, Sissi oder Betty. Ich selbst habe keine weiblichen Nachkommen, also ist diese Serie von mir mit einem Martin beendet worden. Übrigens: ich lese Ihre Beiträge zum Forum sehr gern und stimme oft damit überein. Alles Gute "Lieschen"😊

lieschenmueller
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beinahe historisch

DAS und auch zeitlos und schön im Klang. Selber habe ich einen typischen 60er-Jahre-Mädchennamen. In Deutschland sogar sehr häufig damals. Und auch gar schmeichelhaft in der Bedeutung :-)

PS: Sah mir vorhin die Geburten-Fotos vom Mürztal an. Die Baby zuckersüß. Aber bei manchen Namen - noch dazu in Kombination mit dem Nachnamen, bekommen einigen schon ein Packerl mit.

ego57
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Das stimmt!

Unterschreibe ich zu 100 %. Was sich manche Menschen bei der Namensgebung ihrer Kinder wohl denken mögen? Da bin ich trotz der Wiederholung der Wiederholung noch gut weggekommen, aber Ende der 50-er Jahre war das , glaube ich zumindest, noch nicht so krass 😅 Da konnte einem vielleicht eine Genofefa (Feferl) oder ähnliches passieren. Meine Cousins und Cousinen: Lisi, Hansi, Zenzi, Resi und Mitzi. Warum muss man die eigentlich schönen Taufnamen so verwoatakeln? Liebe Grüße ins Mürztal😊