Bilanz 2021Die Aufsteiger und Absteiger des Medienjahres

Ein Blick auf das Medienjahr 2021, das einige Umbrüche mit sich brachte. Die ORF-Wahl sorgte für ein Sesselrücken am Küniglberg, bei der "Bild" musste der Chefredakteur gehen und am Schlagerhimmel gibt es einen neuen Dirigenten.

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Von Gottschalk bis Herbst, von Zarrella bis Thür. Ein Blick auf jene, die das TV-Jahr 2021 besonders machten:

Medienbilanz 2021: Die Medien-Aufsteiger des Jahres

Thomas Gottschalk

Als RTL im Frühjahr einen Schlussstrich unter die intensive Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen zog, war er es, der kurzfristig einsprang. Und als "Wetten, dass .." im Herbst ein Comeback feierte, war die Resonanz enorm und enorm positiv. Thomas Gottschalk bewies 2021 noch einmal, wie gut er das Genre Unterhaltungsfernsehen versteht. Ein Spitzbub mit Goldlocke, der sein Gefühl für die großen TV-Shows nicht verloren hat.

ZDF und Sascha Baumann

Hanna Herbst

Wenn Jan Böhmermann draufsteht, ist oft Hanna Herbst drinnen. Die geborene Mainzerin, die in Salzburg aufwuchs und die auch schon beim Bachmann-Wettbewerb las, ist seit 2020 Redaktionsleiterin des „ZDF Magazin Royale“. Dort sorgt Herbst für verlässliche, konsequente Recherchen, die dem Satire-Format einen journalistischen Tiefgang und eine Breitenwirkung verschaffen, die bemerkenswert sind.

ORF

Lou Lorenz Dittlbacher

Es war das Jahr der Wienerin: ZIB 2-Anchorwoman Lou Lorenz-Dittlbacher führte 2021 erstmals durch die ORF-Sommergespräche. Für ihre präzise Interviewführung und Originalität der Inszenierung am Dach des Wiener Leopoldmuseums gab es Lob. Im Herbst erhielt die Frau des ehemaligen ORF-Chefredakteurs Fritz Dittlbacher zudem den Axel-Corti-Preis "für ihre hervorragenden Recherchen und Hintergrundberichte", wie es in der Jurybegründung hieß. Die dritte gute Nachricht kam im Anschluss an die ORF-Wahl: Mit 2021 wird Marielouise "Lou" Lorenz-Dittlbacher Chefredakteurin von ORF III.

ORF

Giovanni Zarrella

Eine Karriere, die mit dem Gewinn der Castingshow "Popstars" und als Sänger der Band Bro’Sis begann, hat 2021 einen beachtlichen Schub erlebt: Das ZDF traute Giovanni Zarrella zu, die Schlagershow einer Modernisierung zu unterziehen, wie es in der ARD Florian Silbereisen gelungen ist. Diese Zielvorgabe erreichte Zarrella im ersten Jahr gut bis ausgezeichnet: "Die Giovanni Zarrella Show" zählte zu den meistgesehenen Shows 2021.

ORF

Anna-Theresa Lallitsch

Als erste Frau im ORF kommentierte Anna-Theresa Lallitsch im Sommer das Spiel eines Fußballgroßereignisses. Die Pionierin im ORF besticht durch großes Fußballverständnis und Leidenschaft für den Sport. Ihr EM-Debüt wurde zum großen Drama, als Christian Eriksen am Platz zusammenbrach. Auch diese Herausforderung meisterte Lallitsch.

ORF

Roland Weißmann

Er ist kein Mann großer Auftritte, keiner der charismatischen Reden. Trotzdem hat es Roland Weißmann an die Spitze des größten Medienunternehmens des Landes geschafft. Geschickt schüttelte er seinen Vorgänger Alexander Wrabetz ab und wird 2021 zeigen müssen, ob er dem politischen Rückenwind widersteht und als freier, sachorientierter General agieren wird.

ORF

Alexandra Wachter

Die Puls 4-Moderatorin steht für akribische Vorbereitung und konsequente Interviewführung. Im Jahr 2021 wurde ihre Arbeit gleich mehrfach gewürdigt: Gemeinsam mit Elke Ziegler erhielt sie den Robert-Hochner-Preis, dazu wurde Alexandra Wachter mit dem Walther-Rode-Preis gewürdigt. Bekanntheit erlangte Wachter unter anderem durch ein Interview mit Ex-Kanzler Sebastian Kurz, in dem dieser auf nachdrückliches Nachfragen der Journalistin mit "aber
Sie haben ja ein eigenes Hirn" reagierte.

APA/GEORG HOCHMUTH

Martin Thür

Drei Tage bevor Sebastian Kurz zur Seite trat, führte Martin Thür mit dem ehemaligen Bundeskanzler das Interview des Jahres. Thür, dessen journalistisches Profil bei ATV geprägt wurde, stieß 2018 zum ORF. Als ZIB 2-Anchorman am Sonntag besticht der Sammler von Politik-Werbegeschenken durch einen klaren Interviewstil und beste Vorbereitung. Wie spontan (und souverän) er sein kann, bewies er zuletzt, als er für den indisponierten Kollegen Roman Rafreider einsprang.

ORF
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2021 war in der Medienbranchen auch ein Jahr des Abschieds. Alexander Wrabetz musste die Niederlage bei der ORF-Wahl akzeptieren und mit Dieter Bohlen fiel ein Stern vom Unterhaltungshimmel:

Das Medienjahr 2021: Die Absteiger des Jahres

Dieter Bohlen

Fast 20 Jahre lang gehörte Dieter Bohlen zu den mächtigsten Stimmen des deutschen Unterhaltungsfernsehens. 2021 wurde die Stimme des ehemaligem "Modern Talking"-Sängers deutlich leiser: Sowohl von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) als auch in der Show "Das Supertalent" endete heuer seine Ära. Sein Abschied fiel ruhmlos aus: In der letzten DSDS-Episode wurde er von Thomas Gottschalk ersetzt.

images/Future Image

Volker Bruch

Mit "Babylon Berlin" hat Volker Bruch große Erfolge gefeiert (die vierte Staffel erscheint 2022), an anderen Fronten bekommt der 41-Jährige Sorgenfalten. Der Lebensgefährte von Schauspiel-Kollegin Miriam Stein machte sich zum Taktgeber coronakritischer Schauspieler und war an den glücklosen Aktionen #allesdichtmachen und #allesaufdentisch maßgeblich beteiligt. Ein Berliner Stadtmagazin wählte ihn jüngst zum "peinlichsten Berliner 2021".

(c) imago images/SKATA (via www.imago-images.de)

Gerald Fleischmann

Als "Kanzlerbeauftragten für Medien" war Gerald Fleischmann die Schlüsselfigur in der Öffentlichkeitspolitik von Sebastian Kurz. Fleischmann zählte zum engsten Kreis (dem unter anderem auch Axel Melchior und Philipp Maderthaner angehör(t)en) rund um den Ex-Kanzler und zählte zu den Beschuldigten in der Causa Inseratenaffäre. Der Leiter der Stabsstelle Medien galt als Spezialist für schwierige Fälle, ruppig in den Methoden, zielstrebig in den Handlungen. Der Mr. Message Control ist noch nicht von der Bildfläche verschwunden und derzeit als Referent im ÖVP-Klub geparkt.

APA/GEORG HOCHMUTH

Julian Reichelt

Als "Bild"-Chefredakteur liebte Julian Reichelt Skandale rund um prominente Personen. Auf das Aufhebens um seine eigene Person dürfte er hingegen nicht erpicht gewesen sein. Im Oktober wurde er mit sofortiger Wirkung seiner Position enthoben, von Unternehmensseite wurde ihm vorgeworfen, die Unwahrheit über persönliche Beziehungen zu Mitarbeiterinnen gesagt zu haben. Die Causa war schon im Frühjahr hochgekocht, damals bekannte sich der Axel-Springer-Konzern noch zum 41-Jährigen. Reichelts bittere persönliche Bilanz in einem "Zeit"-Interview: "Nach zwanzig Jahren loyaler Arbeit, zehn davon in Kriegsgebieten, wurde ich in zwanzig Minuten am Telefon entsorgt."

images/Jörg Schüler

Roman Rafreider

Roman Rafreider ist die tragische ORF-Figur des Jahresausklangs. Ein völlig verpatzter Auftritt eines indisponierten Anchormans im "ZIB Flash" brachte den 52-Jährigen unfreiwillig in die Schlagzeilen. Als später zu erfahren war, dass Rafreider offenbar unter dem Schock einer schlimmen Nachricht aus dem privaten Umfeld vor die Kamera trat, erfuhr der Vorarlberger viel Verständnis. Die Konsequenzen des Vorfalls: Rafreider muss eine sechsmonatige Nachdenkpause einlegen, danach darf er zum ORF zurückkehren.

ORF

Ferdinand Wegscheider

Es war angerichtet. Aufmunitioniert mit Sportrechten (Champions League, Europa League, Formel 1) und mit dem Rückenwind erfolgreicher Formate (von "Quizmaster" bis "Heimatleuchten") hätte es das Jahr von ServusTV werden können. Die Bilanz fällt allerdings durchwachsen aus. Zwar konnte 2021 der Abstand der Salzburger zu ORF 1 verkleinert werden, zum großen Durchbruch reichte es jedoch nicht. Für Negativschlagzeilen sorgte Intendant Ferdinand Wegscheider: Seine Satiresendung "Der Wegscheider" nutzt er regelmäßig als Plattform, um die "Plandemie" (wie er unterstellt) zu verniedlichen und durch Falschaussagen am Rande der Verschwörungserzählungen zu irritieren. Der Presseclub Concordia brachte deswegen eine Beschwerde bei der KommAustria ein.

ServusTV/ Marco Rieble

Alexander Wrabetz

Seit 1. Jänner 2007 war Alexander Wrabetz Generaldirektor des ORF. Nur zu gerne hätte er eine letzte Verlängerung seiner Amtszeit erreicht, doch die Stiftungsräte entschieden anders. Der 61-Jährige musste sich Roland Weißmann beugen, der künftig die ORF-Agenden führen wird. Wrabetz wird die Niederlage verkraften können, vieles spricht dafür, dass er auch in seinem künftigen Berufsumfeld (Rundfunkverband EBU ?) an Hebeln der Macht sitzen wird. Schon offiziell wurde, dass er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Wiener Symphonikern wird.

ORF
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