Zweite Staffel "The Witcher": Ach Mensch, du bist doch auch nur ein Monster

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht: Hexer Geralt von Riva hat alle Hände voll zu tun, immerhin ist er nun Adoptivvater. Am "Kontinent" brodelt es hingegen an allen Ecken und Enden.

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Henry Cavill als Geralt von Riva in "The Witcher"
Henry Cavill als Geralt von Riva in "The Witcher" © (c) Jay Maidment
 

Merke: Bellt beim finsteren Dorf kein Hund, dann liegt dort vermutlich einer begraben. Irgendwas ist also faul. Aber was soll man auch erkennen, wenn alles rundherum so düster ist? Schlecht muss das nicht sein, denn die schrille neonfarbene Instagram-Welt, die sucht man bei „The Witcher“ vergebens, 50 Shades of Grey sind hier farblich die Unterkante. Die Serie nach einer Fantasy-Saga von Andrzej Sapkowski und einer Videospielreihe geht mit einer zweiten Staffel in die Verlängerung. Auch, weil sie als eine der erfolgreichsten Netflixserien gilt.

Nach der großen Schlacht von Sodden hat sich der Rauch verzogen, aber die große Keilerei hat bei allen ihre Spuren hinterlassen. Hexer Geralt von Riva (Henry Cavill) ist nun zum latent besorgten Teilzeitvater mutiert. Im Schlepptau hat er seinen Schützling Prinzessin Cirilla von Cintra (Freya Allan), Rufname Ciri, ausgesprochen Siri. Was natürlich in dieser mittelalterlichen Fantasywelt nicht ohne Witz ist. Aber es bleibt in der Familie: Siri kann, wie iPhone-Nutzer wissen, ja auch ein nerviges Monster sein. Yennefer von Vengerberg (Anya Chalotra) war in Sachen Magie auch schon mal fitter.

Im Gegensatz zur ersten Staffel, wo man sich eher episodenhaft dem Aufbau der Hauptfiguren widmete, zieht sich durch die zweite Staffel eine universelle Handlung: Der „Kontinent“ wird von unterschiedlichen Interessenslagen dominiert, die Elfen kämpfen um ihr Überleben und düstere Prophezeiungen schaffen unterschiedliche Begierden: Ciri scheint über Kräfte zu verfügen, die nicht wenige Parteien am „Kontinent“ für ihre Sache nutzen wollen. Geralt bringt seinen Schützling also nach Kaer Morhen, dem Ferienlager für Hexer – um es charmant zu sagen. Dort soll sie zumindest ein Mindestmaß an Selbstverteidigung lernen.

Die Hauptprotagonisten sind also individuell in einem überschaubaren Geflecht an Handlungssträngen unterwegs, die erst sehr spät zusammenlaufen, aber in Summe die Handlung breit gefächert vorantreiben. Zum Vorteil der Hauptcharaktere, die einen Schub an Weiterentwicklung erfahren. Das beliebte Witz-Pingpong der ersten Staffel ist stark reduziert, aber dafür schreibt Barde Rittersporn seinen ersten Hit. An Monstern mangelt es nicht, wobei sich bisweilen die Frage aufdrängt, ob nicht auch hier der Mensch das größte Monster von allen ist.

"The Witcher", Staffel 2 auf Netflix.

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