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Medien-TagebuchVon engen Stirnen und schockierendem Aufruhr

Es gab einen gewaltigen Aufruhr, weil eine junge weiße Autorin Gedichte der jungen schwarzen Lyrikerin Amanda Gorman übersetzen hätte sollen. Klingt nach Absurdistan, ist aber Holland.

Die niederländische Autorin Marieke Lucas Rijneveld war „schockiert von dem Aufruhr"
Die niederländische Autorin Marieke Lucas Rijneveld war „schockiert von dem Aufruhr" © AFP/Jeroen Jumelet
 

Amanda Gorman (22) erregte mit ihrem Gedicht  „The Hill We Climb“, vorgetragen Mitte Jänner bei der Angelobung von US-Präsident Joe Biden, weltweit Aufsehen. Danach gab es rund um den Globus Bemühungen, Lizenzen für die Texte der jungen amerikanischen Poetin zu ergattern. 

So auch in den Niederlanden, wo der Meulenhoff-Verlag Marieke Lucas Rijneveld als Übersetzerin vorschlug. Der 29-Jährigen wurde im Vorjahr für ihrem Debütroman "Was man sät" der International Booker Prize zuerkannt, als jüngster Schriftstellerin bisher.

Alle waren glücklich - „eine Traumlösung“ für den amerikanischen und den holländischen Verlag, für Gorman und Rijneveldt selbst.

Bis in der Tageszeitung „De Volkskrant“ ein Gastkommentar der aus Surinam stammenden Fashion-Bloggerin Janice Deul erschien. Sie prangerte „die unverständliche Entscheidung“ an, Lyrik einer schwarzen Autorin von einer nicht schwarzen Autorin übersetzen zu lassen. Ein ihr zustimmender Shitstorm in den sozialen Medien brach los, Rijneveldt zog - „schockiert von dem Aufruhr" -  zurück und der Verlag schließlich auch.

Willkommen in Absurdistan, dem Land, in dem die Verblendung Innenministerin ist und der Geifer Außenminister!

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