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Markus MairDer Medienmanager des Jahres im Interview

Markus Mair, Vorstandsvorsitzender der Styria und kürzlich zum „Medienmanager des Jahres“ gekürt, über Presseförderung, die Print-Zukunft, digitale Strategie und den ORF.

Vom Branchenmagazin „Der österreichische Journalist“ zum „Medienmanager des Jahres“ gekürt: Markus Mair (55) © Nicholas Martin/Ballguide
 

Gratulation an den Medienmanager des Jahres! Was empfinden Sie angesichts der Auszeichnung?
MARKUS MAIR: Natürlich gibt es eine gewisse Freude und Befriedigung darüber, aber es gehört nicht zu meinen angestrebten Lebenszielen, Auszeichnungen zu bekommen. Ich freue mich vor allem über die ehrlichen Rückmeldungen dazu.

Sie kommen aus dem Bankensektor und leiten nun einen Medienkonzern. Was hat Sie nach diesem Übergang überrascht?
MARKUS MAIR: Medienhäuser haben im Vergleich zu meiner vorherigen Branche, getrieben durch ihr tägliches Produzieren von Content, per se schon ein wesentlich höheres Tempo. Hinzu kommt höhere Volatilität: Die Planbarkeit der Geschäftsgrundlage ist anders als im Bankbereich, wo es wesentlich mehr Bestandsgeschäft gibt. Zu Tempo und Volatilität kommt als dritter Punkt, dass in einem Medienhaus auch im internen Betrieb mehr Emotionalität herrscht. Es gibt mehr Befindlichkeiten, es gibt auch gefühlt mehr Häuptlinge. Oder mehr Menschen, deren Schaffen und deren Werke in vielen Diskussionen eine ganz eine hohe Bedeutung haben.

Wie würden Sie den Spirit der Styria beschreiben?
MARKUS MAIR: Unser Claim ist mit „One Spirit Unlimited Ideas“ nach vorne gerichtet. Da gibt es 35 teilweise sehr unterschiedliche Medienmarken mit eigenen Geschäftsfeldern und eigener Logik. Darüber gibt es die Styria, die das zusammenhält und der Dual-Motor dieser Entwicklungen sein möchte und das auch ist.

Sie stehen seit 2018 dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) vor. In welchem Zustand befindet sich die Tageszeitungslandschaft in Corona-Zeiten?
MARKUS MAIR: Wirtschaftlich gesehen sind es im österreichischen Werbemarkt voraussichtlich rund 20 Prozent, die covidbedingt an Werbeerlösen verloren gegangen sind. Damit sind wir nicht im Auge des Taifuns, wie es viele andere Branchen oder die Kulturszene in Österreich sind, die das noch wesentlich schärfer trifft. Die zweite Seite der Medaille ist die Wahrnehmung von Medien in der Bevölkerung: Diese hat sicherlich zugenommen, ganz einfach, weil wir uns in einer Krisensituation befinden. Jetzt ist es wichtig, Orientierung zu geben. Ich werde ja nicht angeregt durch Zeitungsartikel, die mir recht geben und das, was ich denke – nur besser geschrieben – darstellen. Es geht hier doch um den Diskurs!

Muss denn die Presseförderung erhöht werden?
MARKUS MAIR: Ein langes Thema (lacht). Im Prinzip reden wir heute von zehn Millionen Euro regulärer Presseförderung ohne Corona. Es gibt in Österreich Hunderte Millionen Euro an Förderungen – Wirtschaft, Kunst und Kultur, Religion, Minderheiten etc. Zählt man alles von Land bis Gemeinden mit, sind es Milliardenbeträge. Die Presseförderung hat das Schicksal, in der öffentlichen Wahrnehmung oft wegen zehn Millionen Euro so in der Diskussion zu stehen. Für eine Demokratie ist aber eine mannigfaltige Medienlandschaft mit unterschiedlichen Ansätzen und Denkweisen ganz, ganz wichtig – genauso wie etwa eine gesunde Volkswirtschaft, hoch entwickeltes Kulturleben, touristische Infrastruktur oder eine Naturlandschaft. Dass man mit der Regierung über eine Erhöhung in Relation zu anderen Förderungen diskutiert und verhandelt, ist angesichts der Bedeutung von Medien mehr als legitim. Da wird in den kommenden Jahren in Österreich auch einiges passieren, ich kann die Schweiz oder Skandinavien als Beispiele nennen.

Information

Markus Mair wurde am 27. 12. 1964 in Graz geboren.
Der studierte Jurist war Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark. Seit Oktober 2013 ist er Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group AG. 2018 wurde Mair zum Präsidenten des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) gewählt und heuer wieder in dieser Position bestätigt.
Die Auszeichnung "Medienmanager des Jahres" wird seit 2003 jährlich an eine Führungskraft im österreichischen Medienmanagement vergeben, die durch ihre Tätigkeit die Grundlage für Journalismus fördert und damit zugleich einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leistet.
Unter den zehn Begründungen für Mair: Die persönliche Entwicklung eines Verleger-Gens, das den gelernten Banker auch zum Schutzschild vor seinen Redaktionen qualifiziert.

 


Schauen wir ins Jahr 2030: Wird es die Kleine Zeitung als Printausgabe noch geben?
MARKUS MAIR: Das ist ja fast schon eine philosophische Frage. Ich bin davon überzeugt, dass es 2030 grundsätzlich Medieninhalte auf bedrucktem Papier geben wird. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass auch die Kleine Zeitung 2030 zusätzlich zum Digitalen noch als Print-Produkt erscheint. Schlussendlich hängt alles davon ab, wie lange uns die Leser und die Werbekunden als Printprodukt nachfragen.

Noch ein Blick in die Zukunft: Ihre Wünsche an ein neues ORF-Gesetz, das sich seit Jahren in der Warteschleife befindet?
MARKUS MAIR: Jede medienpolitische Veränderung im System hat ihren Ausgangspunkt immer im ORF – und selten im privaten Mediensektor, das habe ich leidvoll zu akzeptieren gelernt. Wann immer die ORF-Reform kommen mag, erscheinen mir heute und künftig zwei Punkte wichtig und wesentlich: der öffentlich-rechtliche Auftrag und die Veranstaltung von Rundfunk, also von Fernsehen und von Radio. Das textbasierte orf.at halte ich für einen medienpolitischen Geburtsfehler. Der ist passiert. Ob der ORF eine digitale Zukunft braucht: ja, natürlich! Und die soll der ORF-Player sein, als digitale Anwendung des Rundfunks. Aber der ORF ist nicht digital only. Denn das würde die österreichische Medienlandschaft komplett über den Haufen werfen, durch den Wettbewerbsvorteil des öffentlich-rechtlichen, mit 650 Millionen Euro über Gebühren finanzierten ORF. Man kann noch über Abruffristen, Premium-Inhalte und darüber diskutieren, in welchen Bereichen der programmbegleitende ORF-Player digital first sein kann. Was immer der ORF heute aber an digitaler Strategie verkündet, hat großteils keine gesetzliche Grundlage.

Der ORF wird es aber einfordern.
MARKUS MAIR: Ich denke auch, aber das muss man der Politik bewusst machen. Ich verweise auch auf ARD und ZDF. Außerdem: Der öffentlich-rechtliche ORF kann nicht noch stärker zur Unterhaltungssendeanstalt werden, als er heute schon ist. Ich kann nicht einerseits den Schutz durch Gebühren haben und mir andererseits die Rosinen herauspicken.

Rechnen Sie mit einer vierten Amtszeit von Alexander Wrabetz als ORF-Generaldirektor?
MARKUS MAIR: Dazu gebe ich keine Prognose ab (lacht). Ich wurde immer wieder überrascht und es ist mir medienpolitisch auch nicht so wichtig, wer an der Spitze steht, sondern welche Regulatorik dem ORF als öffentlich-rechtliche Anstalt unterlegt ist. Meine medienpolitische Diskussion spielt sich nicht auf der personellen Ebene ab.

Themenwechsel: Das Leistungsschutzrecht wurde 2019 im EU-Parlament beschlossen, ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Zuletzt einigte sich Frankreich mit französischen Presseverlagen auf eine Abgeltung für die Verwendung Nachrichten-Inhalten. Wo steht man da in Österreich?
MARKUS MAIR: Wir harren der nationalen Umsetzung. Ganz allgemein: Das ist kein Kampf gegen Google, das ist ein Kampf um die Leistung der Journalisten. Mir ist schon bewusst, dass wir am Ende des Tages nicht über Millionenbeträge reden werden. Aber es geht um etwas Grundsätzliches, um den Wert einer Arbeit. Und darum, dass nicht ein Dritter mit dem Wert der Arbeit von Journalisten hausieren geht und daraus global ein Millionengeschäft macht.

Zahlreiche Tageszeitungen gründeten in den vergangenen Jahren eigene TV-Sender, Kleine Zeitung und Die Presse hielten sich zurück. Wird sich das ändern?
MARKUS MAIR: Wir waren im Medienbereich in vielen Punkten Vorreiter, in diesem Punkt sind wir es nicht. Und man hat schon bei den anderen gesehen, dass es wirtschaftlich sehr, sehr schwierig ist und sich immer die Frage stellt, wie so etwas in das Gesamtkonzept einer Medienmarke hineinpasst. Ich empfinde es bei manchen fast so wie einen Fremdkörper auf einem ausbaubar professionellen Format. Ich sehe das bei uns als Lernprozess: Videoproduktion wird im Laufe der nächsten Jahre verstärkt Teil unseres journalistischen Handwerks werden. Aber marketingtechnisch muss man da nicht gleich Kleine Zeitung-TV draufschreiben, das klingt ja schon per se anachronistisch.

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