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Ein Vermächtnis "Unsere Aufgabe ist, Orientierung zu schaffen und Vertrauen zu geben"

Im November des Vorjahres gab Johann Trummer sein letztes Interview. Er hinterließ damit sein Vermächtnis.

Johann Trummer, 1940-2019 © Großschädl
 

Nach 35 Jahren der Obmannschaft im Trägerverein: Wie hat sich die Styria in den Jahrzehnten auf der Medienbühne geschlagen?

Johann Trummer: Für die Styria gab es verschiedene Phasen - sie hat sich gut entwickelt. Kleine Zeitung und „Die Presse“ genießen ein sehr, sehr hohes Ansehen. Wichtig ist für uns auch „Die Furche“, sie zeigt deutlich unser Profil, d. h., wofür wir stehen. Die Regionalmedien Austria sind ein zusätzliches starkes Signal der Nähe zu den Menschen.

Wie hat sich Ihre Rolle als Obmann des Vereins verändert?

Gewaltig! Als ich dieses Amt angetreten bin, war die Styria ein Vereinsunternehmen, und ich habe zuerst gar nicht recht verstanden, was das bedeutet. Ich war plötzlich haftender Gesellschafter. Der Verein war nicht mehr das richtige Vehikel für ein Unternehmen. Der Generaldirektor war nicht mehr befugt, im Namen des Eigentümers zu unterschreiben. Die Styria war damals nicht manövrierfähig - wenngleich viele es nicht wahrhaben wollten.

Der Wechsel hin zu einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft ist der Styria aber gelungen.

Ja, wir hatten ein gutes Team zur Vorbereitung. Zuletzt hat die Konsum-Pleite über Nacht zu einer realistischen Einschätzung der Lage auch bei den Vereinsmitgliedern geführt. Das Ergebnis ist bekannt: die Gründung der Styria AG und einer Stiftung. Diese und der Medien Verein halten alle Aktien. Es gibt seither eine klare Trennung zwischen Eigentümer und Unternehmen.

Was hat Sie all die Jahre in Ihrer Tätigkeit bestärkt?

So lange in dieser Funktion zu sein, bedeutet, dass es ein hohes Vertrauen gibt. Der Obmann wird stets geheim gewählt, und da hatten wir immer klare Ergebnisse. Ich sah mich dadurch verpflichtet, das durchzustehen und zügig durchzuführen. Aufzugeben, ein so großartiges Unternehmen der Unsicherheit auf der Eigentümerseite auszusetzen - das kam für mich nie infrage. Mir kommt hier vielleicht das „polyphone Denken“ von Johann Sebastian Bach zugute, dessen Werk ich äußerst schätze und liebe. Das hilft, mehrgleisig und einige Schritte vorauszudenken und abzuschätzen, wohin es läuft.

Ich nehme an, dass auch Ihnen manches Mal die landläufige Meinung „Die Styria gehört der Kirche“ zu Ohren kommt. Wie begegnen Sie solchen Vermutungen?

Dazu kann ich nur lächeln. Es ist ja klar: Wer die Aktien hat, ist Eigentümer, niemand sonst.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Es hat niemand - weder aus der Politik noch aus der Kirche - unseren Redaktionen etwas vorzuschreiben. Wer hier Kompromisse macht, würde die Unabhängigkeit verlieren. Auch in der politischen Berichterstattung ist zu trennen zwischen Information und PR für den jeweiligen Politiker, und es kommt für Journalisten darauf an, ob sie zu unterscheiden verstehen. Es ist ja auch bei mir selbst so: Sie wissen, ich bin Priester, und das gerne, doch in meiner Tätigkeit in der Styria ist der Staatsbürger in mir gefragt.

Dankbarkeit zum Abschied

Bischof Wilhelm Krautwaschl würdigte den Verstorbenen: „Als Priester und Musiker hat Johann Trummer das Geheimnis unseres Glaubens kräftig verkündet. Für seine vielfältigen Dienste und sein Sich-engagiert-Einbringen in unsere Glaubensgemeinschaft bin ich ihm sehr dankbar.“ Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer hob Trummers Offenheit für Innovation und seine Verbundenheit zur Heimat hervor: „Traurigen Herzens nehme ich Abschied von einem guten, jahrzehntelangen Freund!“

Bewegt sich die Styria nicht ohnehin manchmal weg von dem, was man „christlich“ nennt? Manche Publishing-Marken der Unternehmensgruppe sind schon sehr progressiv in ihrer Themenwahl und -aufbereitung.

Das ist sicherlich eine Gratwanderung, die Verbindung zwischen verschiedenen Interessen in der Gesellschaft zu schaffen. Hier müssen wir stets neu lernen, wo die Grenzen sind. Man könnte vereinfacht sagen: Eine gute Zeitung für die Jugend muss ein positives Verhältnis zur Erotik haben, nicht aber zur Pornografie. Der Papst hat diesen Wandel gut formuliert: Danken wir Gott für das Geschenk der Erotik. Wir sollten dies in einer verantwortungsvollen Weise jenen, die uns lesen, vermitteln.

Was macht eine gute Zeitung aus?

Das, was die Styria und ihre Mission ausmacht: Dass sie Orientierung gibt, Vertrauen schafft und die Gemeinschaft unterstützt. Es gilt, abzuwägen: Was gibt man den Leuten mit, ohne dass sie viel versäumen, und sie dennoch nicht von tausend Details überschwemmt werden. Es gilt, Bad News nicht zu verschweigen, sich den Blick für Good News zu erhalten, sich den Kontroversen zu stellen, denen ein freier Journalismus nicht ausweichen darf. Journalisten können in Kommentaren Horizonte öffnen, sodass die Leser weiterdenken können.

Wo sehen Sie die Styria in zehn Jahren?

Freie Medien sind in einer Demokratie unersetzlich, unsere Gene verpflichten uns, unserer Mission aus dem Gründerauftrag des Vereins nachzukommen. Zweitens ist klar, dass wir uns auch digital zurechtfinden, ohne deswegen an der Zukunft von Print zweifeln zu müssen. Print bleibt sehr wichtig - denken Sie etwa an die Anatomie: Ein Medizinstudent wird seine Informationen nicht ausschließlich aus dem Internet holen, sondern braucht ein Handbuch, wo man sich auch etwas eintragen kann und damit Wissen schafft, das einen ein Leben lang begleitet. Ich setze voraus, dass selbstbewusste Menschen in der Lage sind, ein Buch vom Anfang bis zum Ende nachdenklich zu lesen und sich vielleicht sogar Notizen zu machen. Ich selbst habe manche Bücher sehr oft in der Hand. Es gibt welche, die begleiten einen durch das Leben.

Wie möchten Sie das große 150-Jahr-Jubiläum der Styria im Jahr 2019 begangen wissen?

Wir können zu Recht stolz und dankbar sein, denn von den vielen im 19. Jahrhundert von Katholiken gegründeten Medienunternehmen im deutschen Sprachgebiet ist wenig übrig geblieben. Als Eigentümer hat der Medien Verein auch weiterhin für Unabhängigkeit zu sorgen. Dazu braucht es aber auch wirtschaftliche Unabhängigkeit des Unternehmens, die von der Leitung des Unternehmens und von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit großem Engagement verwirklicht wird.

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