Organisierte Bot-Netzwerke fluten soziale Medien wie Instagram gezielt mit Hass, Desinformation und antisemitischer Hetze. Wer steckt dahinter und welche Interessen werden damit verfolgt? Dazu stand die Extremismusforscherin Julia Ebner, Co-Direktorin des Instituts für Strategischen Dialog in London, in der ZiB2 bei Margit Laufer Rede und Antwort.

„Gesteuerte Bots sind eine große Gefahr für die öffentliche Meinungsbildung“, das macht Julia Ebner gleich zu Beginn klar. Ihre Analysen hätten eindeutig ergeben, dass sich derartige koordinierte Bots in der öffentlichen Meinungsbildung - online und offline - niederschlagen. Gerade Hassbotschaften im Netz hätten großes Potenzial, Gewalt auch in der realen Welt zu bewirken, so die Wissenschaftlerin.

Die Intention dahinter ist klar, betont Ebner: „Der Online-Diskurs kann mit Hasskommentaren stark verschoben werden“. So könne etwa der Eindruck entstehen, dass antisemitisches Gedankengut in der Bevölkerung weit stärker verbreitet sei, als von vielen gedacht. Das wiederum könne zu einer „Normalisierung“ und Weiterverbreitung von Antisemitismus in der Bevölkerung führen, was letztlich auch Auswirkungen auf die Politik haben könne, warnt Ebner. „Dahinter können sowohl politische als auch kommerzielle Interessen stecken“, erläutert sie weiter. Die Analysen des Instituts für Strategischen Dialog würden zeigen, dass hinter den gelenkten Bots staatliche wie nichtstaatliche Akteure besonders häufig aus Russland, aber auch aus der Türkei oder - vor allem in jüngster Zeit - Iran stecken würden, um gezielt die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Ziel: „demokratische Institutionen ins Wanken bringen“

Auffällig sei, dass durch Bots vor allem sehr radikale Inhalte verbreitet werden, die eine Spaltung der Gesellschaft bewirken sollen oder „demokratische Institutionen ins Wanken bringen sollen“, beschreibt Ebner die Intention der Bots. Ein vermehrtes Auftauchen sei vor allem vor Wahlen sowie bei Ausbrüchen neuer Krisen zu beobachten, wie aktuell beim Iran-Krieg. Hier würden besonders diejenigen auf einer emotionalen Ebene durch eine möglichst radikale Sprache angesprochen, die durch Krisen selbst betroffen seien, so Ebner.

Doch wie kann dem Hass im Netz Einhalt geboten werden? Ebner kritisiert, dass die Plattformen nicht ausreichend proaktiv gegen Hasskommentare vorgehen. Der Digital Services Act der EU sei zwar ein guter Anfang, müsse aber noch besser implementiert werden, damit dieser ein scharfes Schwert gegen Hass im Netz werden kann, empfiehlt die Expertin. Zudem fordert sie die Stärkung eines „digitalen Bürgertums“ durch digitale Bildung und Aufklärung, um innerhalb der Bevölkerung Bewusstsein für gesteuerte Bots und die daraus resultierenden Gefahren zu schaffen.

Die Extremismusforscherin der Universität Oxford hat dennoch Hoffnung, dass die Technik immer besser werde, die Bot-Aktivitäten zu erkennen. Der Einsatz von KI sei hier eine wichtige Hilfe. Allerdings stünden auch den Netzwerken hinter den Bots diese Techniken zur Verfügung, so dass es letztlich immer „ein Wettlauf ist, wer wie KI besser verwendet“.