„Ich selber bezeichne mich nicht als Legende, ich bezeichne mich als Wirklichkeit“, das sagte Kurt Diemberger einmal, als der Autor dieses Artikels ihn am Telefon in seinem Zuhause in den Hügeln bei Bologna erreicht. Der gebürtige Kärntner, der am 16. März auch seinen 94. Geburtstag feiert, ist der einzige Mensch, dem zwei Erstbesteigungen an 8000ern gelang: Nämlich am Broad Peak und am Dhaulagiri. Ein anderer, dem das gelang, ist schon seit 1957 tot: Hermann Buhl.

Das Überleben als Kunst

Das Überleben ist es auch, das Diemberger als eine seiner größten Künste ansah. Der in Villach und am Ossiacher See aufgewachsene Extremalpinist war nicht nur auf den höchsten Bergen ein Pionier, er war auch einer der ersten, der sich als Filmemacher einen Namen machte. Lange Zeit galten er und seine Seilpartnerin Julie Tullis als „höchstes Filmteam“ der Welt: Im Sommer 1986 kamen Tullis und andere Bergsteiger am K2 ums Leben. ServusTV zeigt am Montag (16. März, 20.15 Uhr) in der Sendereihe Bergwelten den Film „Schwarzer Sommer - 40 Jahre K2-Tragödie“.

Was war passiert? Ein Sturm überraschte die Profi-Alpinisten und Alpinistinnen und kostete fünf von ihnen das Leben. Diemberger erinnerte sich in einem Interview mit der Kleinen Zeitung vor einigen Jahren an diese schicksalshaften Stunden zurück: „Oberhalb von 8500 Metern auf dem K2 gab es für mich und Julie kein eindeutiges Zeichen eines Wettersturzes. Wir beschlossen, gemeinsam zum Gipfel zu gehen. Was uns auch gelungen ist.“ Diemberger fügte noch hinzu: „Dass sie nicht mehr heruntergekommen ist, lag nicht an unserem Entschluss. Am K2, als Julie stürzte, und ich mit ihr, schien unser Schicksal besiegelt. Wenn man in einer Steilwand stürzt, dann stürzen beide schnurstracks nach unten. Aber das war eine Schutzengelsituation, als hätte der Berg seine Arme ausgebreitet, um den Tod zu verhindern.“ Das Problem entstand erst nach dem aufgefangenen Sturz: „Danach waren wir im Hochlager bei Sturmwind eingeschlossen. Warum Julie gestorben ist, weiß ich heute auch nicht genau, aber wahrscheinlich war es die geringe Flüssigkeitszufuhr.“

Kurt Diemberger und Julie Tullis am K2
Kurt Diemberger und Julie Tullis am K2 © Kurt Diemberger

Der „Schwarze Sommer“

Diemberger und Willi Bauer waren die einzigen zwei, die überlebten. Die Britin Julie Tullis, der Brite Alan Rouse, die Österreicher Hannes Wieser und Alfred Imitzer sowie der Pole Dobroslawa Miodowicz-Wolf starben. Insgesamt starben in dieser Saison 13 Menschen am K2. Man nannte diese Unglücksserie später „Black Summer - Der schwarze Sommer“. Diemberger faszinierten die Berge seit seiner Kindheit, als er in den Hohen Tauern beim Suchen nach Steinen eher auf Umwegen zum Bergsteigen kam: „Die Berge haben mich nicht mehr losgelassen, symbolisch könnte man sagen.“ Dass er später zur Filmkamera griff, erklärte er so: „Erstbesteigungen und das Eindringen in verborgene Täler hat auch dazu geführt, nicht nur das Glück zu erleben, sondern es auch weiterzutragen.“ Diemberger brachte nach der Katastrophe auch den Film „K2 - Traum und Schicksal“ heraus, der ebenfalls die Ereignisse des „Schwarzen Sommers“ beleuchtete.