Wie ein Sonntagnachmittag im Hause Ellison wohl ausschaut? Werden Pläne gewälzt, ob man sich eine neue Insel kauft, eine neue Airline oder doch eines der berühmtesten Filmstudios der Welt? Letzteres kann der Ellison-Clan jetzt fast schon mit „Check“ abhaken, vorausgesetzt, die US-Wettbewerbshüter legen kein Veto ein. Monatelang hat sich der Bieterkampf von Netflix und Paramount Skydance hingezogen, seit Freitag steht fest, dass Paramount Skydance als Sieger vom Platz geht und dabei rund 86 Milliarden Euro hinblättert. Man muss den Streamingriesen Netflix, der am Donnerstag das Handtuch geworfen hat, nicht bemitleiden. Vielmehr läuten jetzt in der amerikanischen Medienbranche alle Alarmglocken, denn anders als Netflix, kauft Paramount nicht nur das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner Brothers, sondern auch die TV-Sparte. Darunter befindet sich auch eines der Flaggschiffe der amerikanischen Nachrichtenflotte: CNN.
Bekanntlich ist der Nachrichtensender das Gegenteil von Fox News, dem Haus- und Hofsender von US-Präsident Trump und ihm seit jeher ein Dorn im Auge. Schon zu Beginn der Bieterschlacht hat sich Trump zu Wort gemeldet: „CNN sollte verkauft werden“, aber natürlich wolle er sich nicht in die Übernahme einmischen. Musste er auch nicht, denn Techmogul Larry Ellison, Gründer von Oracle und glühender Trump-Unterstützter, hat den Deal finanziell erst möglich gemacht, indem er für große Teile des Kaufpreises persönlich garantiert hat. Innerhalb von zwei Jahren hat sich Ellison zwei große Nachrichtensender gekauft: 2024 hat Skydance, die Firma seines Sohnes David Ellison, Paramount übernommen, darin enthalten ist der Nachrichtensender CBS.
Meinung
CBS wurde „trumpifiziert“
Kurz nach der Übernahme wurde der Sender „trumpifiziert“, wie es Kritiker nennen: Die Einstellung der Late-Night-Show mit Stephen Colbert ab Mitte Mai ist nur ein Kapitel der neuen Trump-Freundlichkeit. CBS solle Colbert „einschläfern“, so Trump: „Das ist das einzig Menschliche, was man tun kann.“ CNN droht nun ein ähnliches Schicksal, wie Kritiker befürchten, die die redaktionelle Unabhängigkeit in Gefahr sehen. Hinzu kommt, dass es bereits Pläne gibt, CBS und CNN zusammenzulegen. Ein Abbau von Stellen wäre vorprogrammiert.
Porträt
„Wir werden erst abschalten, wenn die Welt untergeht“, sagte Medienunternehmer Ted Turner zum Start von CNN (Cable News Network) am 1. Juni 1980. Nachrichten 24 Stunden am Tag? Das war zur damaligen Zeit schlichtweg undenkbar, Nachrichten gab es in der Prä-Internetwelt nur zu festgelegten Zeiten. Seine damalige Vorreiterrolle bewies der Sender im Jänner 1991, als die Aktion „Wüstensturm“ im Zweiten Golfkrieg gestartet wurde. Der Krieg fand seinen Weg in Echtzeit in die Wohnzimmer der Welt – das war eine Medienrevolution, die bald weitere Nachahmer gefunden hat.