Ein Kommentar eines ORF-Mitarbeiters sorgt für Empörung: Robert Gordon, langjähriger Redakteur des TV-Formats „Am Schauplatz“, sieht sich mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Auf der Plattform „X“ kursiert ein Screenshot des Postings von seinem Privataccount, in dem Gordon schreibt: „Wenn ich 2000 Jahre lang Opfer bin, dann sollte ich mir langsam überlegen, woran das wohl liegen mag.“ Für die Äußerung erntet der Journalist viel Kritik im Netz, das Portal „oe24“ berichtete zuerst darüber.

Gordon schrieb in dem mittlerweile gelöschten Beitrag weiter bezüglich Israel: „Jean Améry (österreichischer Autor und Opfer des Nationalsozialismus, Anm.) hat geschrieben, dass die Gründung einer Nation immer mit Verbrechen einhergeht.“ Man könne nicht „andere bestehlen, vertreiben und umbringen und dabei unschuldig bleiben“.

Der ORF-Chef hat nun in einem kurzen Statement auf „X“ zur Causa Stellung bezogen. Generaldirektor Roland Weißmann bezeichnet „den Inhalt des Postings als völlig inakzeptabel“. Er habe bereits „eine Überprüfung möglicher dienstrechtlicher Konsequenzen“ eingeleitet.

Kultusgemeinde fordert „klare Auseinandersetzung“

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), bezeichnete die Verurteilung als „wichtig“, es brauche aber mehr: „Es muss sichergestellt werden, dass im ORF journalistisch tätige Mitarbeiter redlich, objektiv handeln und keine antisemitische Stereotype verbreiten“, betonte er via Aussendung.

Als „klassische antisemitische Täter-Opfer-Umkehr“ bezeichnet IKG Salzburg, Steiermark und Kärnten das Posting des ORF-Mitarbeiters. „Diese Aussage überschreitet eine rote Linie“, betont Präsident Elie Rosen in einer Aussendung. Gordon deute an, die Juden seien selbst für ihre Verfolgung verantwortlich. „Damit werden die Opfer verhöhnt und der Antisemitismus legitimiert“, wird Rosen weiter zitiert. Vom ORF erwarte er eine „unmissverständliche Distanzierung und eine klare Auseinandersetzung mit antisemitischen Stereotypen“. Es vergehe mittlerweile kein Tag ohne antisemitische Vorfälle.

Seit 30 Jahren bei „Am Schauplatz“

Gordon wurde im niederösterreichischen Mödling geboren und zog Anfang der 1980er-Jahre nach Wien. Dort studierte er Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie an der Universität Wien. Bald wechselte er zum ORF, wo er nach Stopps beim „Report“, dem „Hohen Haus“ oder der „Zeit im Bild 2“ seit 1995 für „Am Schauplatz“ tätig ist. 2003 erhielt Gordon den Claus-Gatterer-Preis, 2016 wurde er mit dem Leopold-Unger-Preis ausgezeichnet.