In der steirischen Kunst-Folklore ist mit dem am Montag verstorbenen Hermann Nitsch vor allem ein Ereignis verbunden, das nicht die Kunst selbst, sondern die Wahrnehmung der Kunst beschreibt: 1981 lud der Rechtsextremist und Vorsitzende der Grazer „Bürgerinitiative gegen Religionsverhöhnung, öffentliche Perversität und Steuergeldverschwendung“, Herwig Nachtmann, vor dem Grazer Kulturhaus in der Elisabethstraße (heute das Literaturhaus) eine Fuhre Mist ab. Als Kommentar auf eine Ausstellung von Hermann Nitsch im steirischen herbst. Bis heute wird das als Beispiel für die Skandalträchtigkeit des Festivals in früheren Jahren angeführt, auch wenn das eigentlich Skandalöse die selbstgefällige Ablehnung ist, mit der sich solche Kunstfeinde der Auseinandersetzung verweigerten.

Dem Festival war der Künstler jedenfalls lange Zeit verbunden, auch als Komponist: 1985 wurde im Grazer Haus der Jugend (Orpheum) seine 7. Symphonie ausgeführt, mit ihm selbst als Dirigent. 1987 fand auf den Schlossberg-Kasematten seine Aktion „Brudermord“ statt. Auch an herbst-Gruppenausstellungen war Nitsch beteiligt, so etwa 2013 in der begehbaren Installation „Close Link“.

Eine große Einzelausstellung des Künstlers war 2001 in St. Ulrich am Greith zu sehen. Im Rahmen der Schau "O. M. Theater" gab er dort in der Pfarrkirche dann auch ein Orgelkonzert – woraufhin ihm der damalige steirische Bischof Egon Kapellari weitere Auftritte in steirischen Kirchen untersagte.

Nitsch-Ausstellungen in der Steiermark gab es von Köflach bis Weiz jedoch immer wieder. In Graz war der Künstler anlässlich seines 80ers im Jahr 2018 in einer Art Doppelschau in den Galerien Kunst & Handel und Zimmermann-Kratochwil zu sehen; Letztere widmet ihm auch 2020 eine Personale.