Zumindest theoretisch könnte man sich an die drei Topmodels "Kate" (Moss), "Naomi" (Campbell) und "Christy" (Turlington) anlehnen. Trost suchen und Trost finden bei den mit kuscheligem Kunstfell überzogenen Holzbrettern. Mit den drei Topmodels der 90er-Jahre haben sie nur die Größe und die Namen gemein, sonst sind sie die idealen Gegenbilder zu den auf Perfektion hochpolierten, manipulierten Bildern der Modeindustrie. Wie kaum eine andere kratzt Sylvie Fleury mit ihrer Kunst an der geschönten Oberfläche der Model- und Modewelt. Und in wohl keinem Bereich ist die Umsetzung von "Faking the Real" mehr State of the Art als dort und kaum anderswo ist das Wissen um die Manipulation mehr Konsens als hier.

Wollen wir uns demnach alle bewusst belügen und betrügen lassen? Zu einem gewissen Teil offenbar ja. Sender und Empfänger, sie liegen hier auf einer Wellenlänge. Kaufen und verkaufen, anpreisen und geködert werden, in diese Schnittmenge ist die Manipulation der Realität wie von Zauberhand eingeschrieben. Es sind die Spielarten dieser Manipulation, die im Fokus der Ausstellung "Faking the Real", kuratiert von Katrin Bucher Trantow und Sabine Kienzer, stehen: Dutzende künstlerische Positionen – von Cindy Sherman bis John Baldessari – loten diese Manipulationen und ihre Wirkmächtigkeit in Grafikdesign, Medienbild und Kunst seit Beginn der 1970er-Jahre aus. Die Ausstellung ist ein Teil der sechsteiligen Grazer Sonderschau "Kunst der Verführung".