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AusstellungKarfreitag: Von der heilsamen Kraft der Wunde

Die Ausstellung „Zeig mir deine Wunde“ im Dom Museum Wien belegt, dass eine Verwundung alles, nur kein Makel ist.

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Fotoarbeit aus der Reihe „The Morgue“ von Andres Serrano. Rechts: Schmerzensmann mit Engel
Fotoarbeit aus der Reihe „The Morgue“ von Andres Serrano. Rechts: Schmerzensmann mit Engel © GALERIE NATHALIE OBADIA
 

Es ist nur ein kleiner Schnitt an einem Fuß, aber der gewährt einen dramatischen Einblick, weil er eine Grenze überschreitet. Er öffnet einen Körper und gibt den Blick frei auf Blut und Fleisch. Der Knochen dahinter, der lässt sich erahnen. Unsichtbar, aber fast körperlich spürbar, schwingen Schmerz und auch Angst mit. 1992 hat der Foto-Künstler Andres Serrano in einer New Yorker Leichenhalle seinen Bilderzyklus „The Morgue“ angefertigt. Eine Inszenierung von Verwundung und Tod, in fast renaissancehafter Klarheit.

„Zeig mir deine Wunde“, fordert das Wiener Dom Museum in seiner aktuellen Ausstellung auf und stellt damit eine Frage, die intimer nicht sein könnte. Denn das Herzeigen seiner Wunden kommt in einer auf Stärke gepolten Gesellschaft einem Akt der Schwäche gleich. Das steht diametral zur christlichen Bildtradition, die seit über 2000 Jahren die Wunde und die Verwundung als zentrales Element der Stärke zelebriert.
In diesem Kontext kommt es zum spannenden Austausch mit der Kunst der Moderne, die die Spielarten der Verwundbarkeit auch als Annäherung an die menschliche Existenz begreift. So greift unter dem Banner „Die Wunden des Körpers“ Günter Brus zur Rasierklinge. Eine Wunde als Plädoyer für das Sichöffnen, das Sich-verletzbar-Machen.

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