Als Treffpunkt für das Gespräch vor der Rückfahrt nach Wien wünscht sich der konsequent autolose Antonio Fian „die Bahnhofsreste“. Ein guter Ort, um den Leuten aufs Maul zu schauen, Menschen zu beobachten und Stimmungen einzufangen. Das ergibt den Stoff, aus dem die Mini-Dramen des Schriftstellers entstehen - treffende Zeitkommentare voll Klarsicht und liebevollem Spott.
Und der Stoff geht ihm nicht so schnell aus. Auch nach den Haider- und Heta-Jahren, die Antonio Fian in seinen zum Stück „Owe den Boch“ verdichteten Dramoletten mit spitzer Feder aufspießte, findet sich genügend Material für die satirischen Texte, die er seit mehr als zwanzig Jahren im Standard veröffentlicht. Gerade war er zur Uraufführung der Fortsetzung „Owe den Boch II“ im Theater Halle 11 wieder auf Heimatbesuch. Wobei, das mit der „Heimat“ für einen aus Spittal an der Drau, der seit fünfzig Jahren in Wien lebt, wohl relativ ist. „Ich hätte beispielsweise niemals gedacht, dass das zumindest in den Jahren der Zweiten Republik vorzügliche und verantwortungsvoll geführte Gymnasium meiner Heimatstadt einen Politiker hervorbringen könnte, (...) der die Salzburger Festspiele als „Inzuchtpartie“ bezeichnet und selbst davor nicht zurückschreckt, den Bundespräsidenten der Republik Österreich „senil“ und „Mumie“ zu nennen“: Fian nahm sich auch bei seiner Rede anlässlich der Kulturpreisverleihung an Josef Winkler 2024 kein Blatt vor den Mund.
Mittlerweile ist im Grazer Droschl-Verlag bereits der achte Band mit Dramoletten erschienen („In aller Offenheit“), gerade rechtzeitig zum 70. Geburtstag des Autors am 28. März. Darin lässt er etwa zwei ältere Damen über die Ex-Politiker Grasser und Kurz reden: „Wir Frauen sind halt leider immer viel zu vertrauensselig den Männern gegenüber. Aber weißt du, was ich dir sage? Wenn der Haider noch leben tät, wäre das alles nie passiert. Der hätte das von Anfang an durchschaut. Deswegen ist er ja ermordet worden.“ In „Owe den Boch II“ sind die aktuellen Themen breiter gestreut (nachzulesen in der Literaturzeitschrift „Kolik“) und reichen von Corona über den Ukraine-Krieg bis zur Verschuldung Klagenfurts.
Nach Kärnten zieht es Antonio Fian aber nicht nur in literarischer Mission, sondern auch in Sachen Familienbesuche, lebt doch seine Schwester in der Landeshauptstadt. Der Sommer gehört für den Schriftsteller aber dem Millstätter See. Hierher kommen auch sein Sohn und seine Tochter mit ihren Kindern, die ebenfalls in Wien leben, in den Ferien gerne. Die 15- und 13-jährigen Enkel lassen sich vom Großvater gelegentlich bekochen. „Die Küche ist schon immer meine Domäne“, schmunzelt der freischaffende Autor, der mit der inzwischen pensionierten Bibliothekarin Elisabeth verheiratet ist. Beim Kochen steht ihm der Sinn „eher nach Hausmannskost“, aber auch Vegetarisches bekommt er nach eigenen Angaben seinen Enkeln zuliebe hin. Mit der Familie wird sein runder Geburtstag in Wien „ein bissl gefeiert werden“.
Davor steht unter dem Titel „Makóni Awóssa“ Figurentheater mit seinen Dramoletten im Wiener Kabinetttheater auf dem Programm, im April wird Fian beim Festival Literatur & Wein in Krems auftreten, im Mai im Literaturhaus in Innsbruck. Und auch die Neuauflage eines schwarzhumorigen Programms mit dem Kollegium Kalksburg wird im Mai als Kooperation des Klagenfurter Ensembles mit dem Robert-Musil-Institut über die Bühne gehen. Neben den Dramoletten veröffentlichte Fian außerdem Erzählungen, Gedichte und den Roman „Das Polykrates-Syndrom“ (2014), der mit Philipp Hochmaier erfolgreich verfilmt wurde („Glück gehabt“). Roman werde es von ihm aber eher nicht so bald mehr geben, meint der sanftmütige Autor, der so bissige Dramolette schreiben kann. „Das ist mir zu langweilig“, schmunzelt er und rührt dabei in seinem Espresso.