Kühl ist die Ausstrahlung von Anna Rettls sechs großformatigen Bildern, die derzeit frei hängend im Living Studio der Stadtgalerie zu sehen sind, irgendwie technoid, fast surrealistisch wirken die schlanken Figurengruppen, die von der 33-jährigen Villacher Künstlerin in einer Mischtechnik aus Aquarell und digital bearbeiteten Fotos auf die Leinwand gebannt wurden. Familienmitglieder posierten dafür, Assoziationen zu den dekonstruierten Puppen des deutschen Künstlers Hans Bellmer (1902 - 1975) werden wach. Die junge Kärntnerin, die 2013 den Kunstpreis der Galerie 3 erhielt und heute in Kopenhagen lebt, schuf die aktuellen Bilder 2024 während ihres Aufenthaltes im Auslandsatelier der Stadt Klagenfurt in Paris.
Ausstellungstitel „Herzkrug“
Rettl, deren Arbeiten oft auf Werken anderer Künstler basieren, kombinierte dabei einzelne der ausgestellten Bilder mit Gedichten von Christine Lavant, die in kleiner Schrift auf den Rückseiten angebracht sind. Der Titel der Ausstellung „Herzkrug“ beruht auf einem Missverständnis, dachte Rettl irrtümlicherweise doch, diesen Ausdruck bei der Dichterin Christine Lavant gelesen zu haben. Doch den „Fehler“ behielt sie bewusst bei, passt er doch gut zu ihrer Arbeitsweise. Es sind Bilder von surrealistischer Ästhetik, eine „Hommage an das Medium Malerei“, wie Kulturamtsleiter Alexander Gerdanovits in seinen Eröffnungsworten zur Schau ausführte. „Ich komme ja von der traditionellen Malerei“, bestätigt Rettl im Gespräch am Rande der Vernissage. Die Motive beziehen sich auch in dieser Serie auf Bilder anderer, etwa Albin Egger-Lienz oder die Ungarin Ilka Gedö. Dazu kommen „Referenzen aus Mode, privaten Fotos und Online Culture“ (Rettl). Sie würden nicht die Welt illustrieren, sondern zeigen, wie diese heute oft erlebt wird.