Die wohlhabende Gerty mit der Villa in Wien-Döbling gibt gerne ihren Senf dazu – zur Klimaerwärmung, zum öffentlichen Verkehr, dem Wirbel rund um die Wirtschaftskammer oder den Lobau-Tunnel: „Ich mache mich da über die konservative Sicht der Dinge lustig“, sagt Petra Kreuzer, die die Kunstfigur für ihren Instagram-Auftritt erfunden hat. Und zwar eher als „Jux“ und eine „gute Möglichkeit für ein bisschen Promotion: Man muss sich als Künstlerin heutzutage eben vermarkten.“ Und das so erfolgreich, dass diese Kurzvideos der gebürtigen Klagenfurterin eine Nominierung beim Österreichischen Kabarettpreis in der Kategorie „Onlinepreis“ eingebracht haben. „Das hat mich total überrascht, denn da waren andere Kolleginnen und Kollegen nominiert wie zum Beispiel Ina Jovanovic, die viel mehr Follower haben“, freut sie sich. Wer gewonnen hat, wird am 24. November im Wiener Globe im Rahmen der Kabarettpreis-Gala bekanntgegeben.
Erstes Soloprogramm
Schon vorher kommt Petra Kreuzer in die Heimat retour: Am 22. November (20 Uhr) präsentiert die 55-Jährige in den Klagenfurter Kammerlichtspielen ihr erstes Solo-Programm „Shitlife Crisis“ und das ist durchaus autobiografisch angehaucht: „Es geht um Frauen 50+, das Ausziehen der Kinder, das Daten, die Wechseljahre, aber auch um meine Kindheit in Klagenfurt“, erzählt Kreuzer, die an der Ballettschule des Stadttheaters Klagenfurt ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt hat. Sie wechselte dann nach Wien an die legendäre Musicalschule von Peter Weck und studierte dort unter anderem gemeinsam mit Nina Proll oder Elke Wilkens: „Das war eine tolle Zeit“, erinnert sich Kreuzer, die regelmäßig für Auftritte bei den Komödienspielen Porcia, beim Sommertheater „scherzo“ oder am Stadttheater Klagenfurt (etwa „Anatevka“) nach Kärnten zurückkehrte.
Dass sie zuletzt kaum in der Heimat aufgetreten ist, lag daran, dass sie von 2018 bis 2023 an der Wiener Tschauner-Bühne die künstlerische Leitung der „Stegreif 2.0“-Schiene übernommen hat. Diese Bühne im 16. Wiener Bezirk wurde als letzte regelmäßig bespielte Stegreifbühne Europas 2018 sogar in die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Dort organisiert die Mutter eines erwachsenen Sohnes auch die „Comedy Mamis“ und im Wiener Metropol die „Musical Mamis“. Außerdem hat sie mehrfach die Regie für Kabarettprogramme übernommen oder als Choreografin gearbeitet (zuletzt etwa für Bernd Liepold-Mossers Inszenierung von „Schöne, neue Welt“ am Theater Phönix in Linz).
Ironische Durchleuchtung
Nach vielen Jahren hinter der Bühne oder im Ensemble war es nun „Zeit, dass ich mich einmal solistisch versuche. Ich mache auch die ganze Musik, den Lichtplan, den Text“, sagt Kreuzer. Die Gerty aus Döbling kommt übrigens in „Shitlife Crisis“ ebenfalls vor – quasi als Gegenpart: „Alles wird ironisch durchleuchtet“, verspricht Kreuzer. Und fügt lachend hinzu: „Inklusive mir. Ich veräpple mich auch selber in der Show.“