Fünf rosafarbige Skulpturen im Lendkanal, die an bestehende, zerstörte oder noch nicht errichtete Denkmäler erinnerten.. Dazu an der Mauer der Satz „Erinnerung ist immateriell – Spominjanje je nematerialno“, herausgeschält aus den Pflanzen, die dort seit Jahren wachsen: Diesen Beitrag zum Jahr der Erinnerungskultur haben Iris Andraschek und Hubert Lobnig heuer auf Einladung der Lendhauer geschaffen.
Seit über 15 Jahren trägt der Verein zur Attraktivierung des Viertels rund um den Klagenfurter Lendhafen bei – mit spannenden Installationen, Konzerten, Filmtagen, Performances oder dem beliebten Bachmannpreis-Public Viewing. Man hat ein Auto im Lendhafen schwimmen lassen (das Künstlerduo Steinbrener/Dempf 2010), zum „Abendmahl“ geladen (2013), einen Kleinlastwagen die Mauer hochgeschickt (Sasha Kurmaz, 2016), eine Bohrinsel (Ernst Logar, 2016) oder einen Nessie-Lindwurm (Alexis Dworsky, 2021) in den Lendkanal gesetzt. „Uns ist es wichtig, dass wirklich jeder kommen kann,weil es ein niederschwelliges Kulturangebot ist. Wir verlangen daher auch bei Veranstaltungen wie Konzerten keinen Eintritt“, sagt Sandra Hölbling-Inzko, seit 2019 Obfrau des Vereins.
Für diese besonderen Leistungen im Bereich der freien Kulturarbeit werden die Lendhauer am 21. November mit dem Anerkennungspreis, der im Rahmen der Kärntner Kulturpreise vergeben wird, ausgezeichnet. „Wir sind natürlich sehr stolz, dass unsere Arbeit gewürdigt wird“, sagt Hölbling-Inzko. Auch die damit verbundenen 7000 Euro sind hochwillkommen, haben doch vor allem die Klagenfurter Kulturvereine im heurigen Jahr durch das lange Ringen um das Budget sehr spät Subventionen zugesprochen und ausgezahlt bekommen: „Das gibt uns nun für das kommende Jahr eine gewisse Planungssicherheit“, so Hölbling-Inzko, die im Brotberuf im Qualitätsmanagement der Alpen-Adria-Universität arbeitet. Insgesamt verfügt der achtköpfige Verein über ein Budget von rund 52.000 Euro (22.500 Euro Stadt Klagenfurt, 16.000 Land Kärnten, 12.000 Bund).
Angefangen hat alles im Jahr 2008, als während der Fußballeuropameisterschaft in Klagenfurt das „lend|spiel“ als künstlerisches Alternativprogramm stattfand. Aufgrund der positiven Erfahrungen beteiligte man sich ein Jahr später an der ORF-Langen Nacht der Museen, seit 2010 gibt es im Lendhafen nicht nur eine Bar inklusive Bühne sowie Sitzmöbel, sondern auch regelmäßige Veranstaltungen. „Am Anfang war es für unsere Vorgänger im Verein schwierig, Politik und Anrainer von dem Kunstkonzept zu überzeugen. Unsere Beständigkeit hat sich aber gelohnt, und wir haben Kunst und Kultur im Lendhafen etabliert. So konnte das Entwicklungsprojekt Hafenstadt Urban Area von Rechtsanwalt Michael Pontasch auf dieser Basis aufbauen und weiter zur Steigerung der Bedeutung des Viertels beitragen“, erklärt Hölbling-Inzko. Und die Kulturwissenschafterin fügt hinzu: „Heute stellt uns niemand mehr infrage. Im Gegenteil, immer mehr Vereine und Gruppen wollen im Lendhafen arbeiten.“ – Ein eindrucksvoller Beleg dafür, welchen positiven Einfluss kontinuierliche Kulturarbeit auf die Entwicklung eines Viertels haben kann.