Salzburger FestspieleSind die Würfel schon vorab gefallen?

Nach Hearings und Beratung soll heute um 15 Uhr feststehen, wer der 27 Jahre lang im Amt tätigen Helga Rabl-Stadler als Präsidentin der Salzburger Festspiele nachfolgt. Angeblich weist alles auf eine Person hin.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler mit dem Kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz (links) und dem Intendanten Markus Hinterhäuser © APA
 

Manche munkelten ja im Sommer schon (oder wünschen es sich insgeheim): Es sei vielsagend, dass so kurz vor ihrem Abgang noch immer keine Nachfolge publik sei – womöglich ein untrügerisches Zeichen dafür, dass Helga Rabl-Stadler wohl noch einmal zur Verlängerung ihres Präsidialamts überredet worden sei. Aber die 73-Jährige selbst hatte sich schon lang vor diesen absehbaren Spekulationen aus dem Rennen genommen: Alles andere, als am Ende dieses Jahres abzutreten, wie schon lange geplant, wäre „peinlich“, wie sie betonte.

Seit 1995 war Rabl-Stadler Präsidentin der Salzburger Festspiele. 2020, zum 100-Jahr-Jubiläum des Festivals, wollte sie gehen, hängte wegen der Pandemie aber noch ein Jahr an. Ende Dezember ist definitiv Schluss. 32 Bewerbung für das Amt gibt es seit 1. November – von 19 Frauen und 13 Männern, von 22 aus Österreich und zehn aus dem Ausland.

Beim Blick in den Kaffeesud fielen schon etliche Namen. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (65) will noch eine Zeit lang in der Politik bleiben. Ob Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf (60), die sich laut Salzburger Nachrichten tatsächlich beworben hat, nur die Platzhalterfunktion für Haslauer zukommt, wird sich weisen. Genannt wurden auch die frühere Außenministerin Ursula Plassnik (65), Europaministerin Karoline Edtstadler (40), Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager (55), DomQuartier-Leiterin Elisabeth Resmann (47), Sarah Wedl-Wilson (52), Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Wirtschaftsanwalt Johannes Honsig-Erlenburg (58), unter anderem seit 2006 Präsident der Stiftung Mozarteum, ist zwar kompetent, aber laut Insidern nicht rasend beliebt in Salzburg. Zudem genannt wurde die ehemalige ORF-Moderatorin Danielle Spera (64), deren Amtszeit als Direktorin des Jüdischen Museums Wien im Juni 2022 zu Ende geht; sie habe aber ihre Berwerbung wieder zurückgezogen, berichten die Salzburger Nachrichten, die auch schreiben, dass der Gastronom und Expolitiker Sepp Schellhorn (54), der lange dementierte, sich beworben zu haben, nun eingestand, doch auf der Bewerbungsliste zu stehen. Und ein weiterer, doch überraschender Name aus dem ORF ist auch gefallen, von einem, der ab dem neuen Jahr zur Verfügung stünde: Alexander Wrabetz (61), noch bis Dezember ORF-Generaldirektor.

Gestern ging das Rennen um die Präsidentschaft der Salzburger Festspiele in die finale Phase: Da fand das Hearing der verbliebenen sechs bis acht Kandidatinnen und Kandidaten statt, in den kommenden Stunden soll das Kuratorium die Entscheidung fällen. Zu Ende der Bewerbungsfrist Anfang November waren beim Schweizer Personalberatungsunternehmen Egon Zehnder 32 Bewerbungen eingelangt, 22 davon kamen aus dem Inland. Zehnder "siebte" aus, bis letztlich rund ein halbes Dutzend Kandidatinnen und Kandidaten übrig blieben, die sich nun dem Hearing vor den Kuratoriums-Mitgliedern stellten.

Die Namen auf der Shortlist der Bewerber sickerten nicht an die Öffentlichkeit. Medial als Favoritin gilt aber Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf (ÖVP). So berichtete der "Standard" vor kurzem, dass in der Salzburger ÖVP bereits offen darüber gesprochen werde, wer Pallauf an der Spitze des Landtags folgen solle. Genährt wird diese Spekulation auch durch die Zusammensetzung des Kuratoriums. Vier der fünf stimmberechtigten Mitglieder kommen aus der ÖVP: Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Bürgermeister Harald Preuner, die frühere Finanzministerin Maria Fekter als Vertreterin des Bundes sowie Hans Scharfetter als Vertreter des Salzburger Tourismusförderungsfonds, der für die Volkspartei auch im Salzburger Landtag sitzt.

Jürgen Meindl, Sektionschef im Kulturministerium und zweiter Vertreter des Bundes sowie turnusmäßiger Vorsitzender des Kuratoriums, betonte am Montag im ORF, dass sich erfreulich viele und auch bestens qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber mit spannenden Konzepten beworben hätten. Und er stellte klar, dass die Personalentscheidung einstimmig fallen muss. Es darf also keine Gegenstimme geben, eine Stimmenthaltung ist aber möglich.

Das Direktorium der Salzburger Festspiele besteht aktuell aus drei Personen: dem oder der Präsidenten/in, dem künstlerischen Intendanten Markus Hinterhäuser (63) und dem Kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz (40).

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Fragezeichen
0
2
Lesenswert?

Fragezeichen

Das Beschäftigungsgesetzt erweist sich bei einer öffentlichen Ausschreibung erneut als zahnlos, da es keine Hinweise darauf gibt, inwieweit Transparenz herrschen muss. So wird es leider bis auf weiteres so sein, dass vorab getroffene Vereinbarungen mithilfe eines Personalberatungsunternehmens verschleiert werden, und der Wunschkandidat den Posten übernimmt. Wo sind Sie denn alle, die von Sektionschef Jürgen Meindl genannten vielen erfahrenen Persönlichkeiten, "die aus der Kunst- und Kulturszene kommen, aber auch in der Privatwirtschaft auf internationalem Niveau ihre Erfahrungen gesammelt haben" ? Da hatte wohl niemand nur annähernd eine Chance ernsthaft in Erwägung gezogen zu werden. Sogar Danielle Spera hat ihre Bewerbung zurückgezogen - wurde ihr das vielleicht nahegelegt?

Hausschuh
1
4
Lesenswert?

Längst entschieden

Der Ehemann von Britta Pallauf, seines Zeichens Salzburger Rechtsanwalt berichtete bereits vor Jahren, dass dieser Posten seiner Frau versprochen sei. Durchaus glaubhaft in einer Bananenrepublik wie Österreich.