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BuchneuerscheinungHitler und Wagner: Ein Missverständnis

Der Komponist Richard Wagner wird gern als geistiger Vater des Nationalsozialismus hingestellt. Alex Ross’ epochale Studie über den Wagnerismus erzählt eine andere Geschichte.

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Adolf Hitler beim Besuch in Bayreuth mit Winifred Wagner und den Enkeln Wolfgang (hinten) und Wieland (ganz rechts) © Ullstein Bild
 

Es gehört zu den berühmtesten Anekdoten aus dem Leben Adolf Hitlers, dass er als Jugendlicher nach einem Besuch von Richard Wagners Oper „Rienzi“ in Linz beschlossen habe, Politiker zu werden. Die Authentizität dieser Erweckungsgeschichte wird zwar bezweifelt, was nichts am Faktum ändert, dass der Diktator ein glühender Verehrer und Kenner der Werke Wagners war. Diese Kenntnis war dem einfachen Gefreiten, gescheiterten Künstler und Populisten eine Eintrittskarte in bildungsbürgerliche, elitäre Kreise und doch war es mehr als ein Instrument. Hitler liebte Wagner und sah sich wohl als geistesverwandt, als ebenso genialen Visionär, der jedoch vom Gebiet der Kunst auf jenes der Politik gewechselt sei.
Die Erben des 1883 verstorbenen Komponisten liebten den „Führer“ zurück: teils aus Opportunismus, teils aus geistiger Verwandtschaft. Ab den 20ern hatte sich die völkische Ideologie in Bayreuth nachhaltig eingenistet. Wagners Schwiegertochter Winifred war richtiggehend verliebt in ihren Duzfreund Hitler, während die Enkel Wolfgang und Wieland ihn zärtlich „Onkel Wolf“ nannten.

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