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Interview mit Bryn TerfelSpezialist für Rächer und Verbrecher

Doppeltes Debüt für Sir Bryn Terfel. Er singt erstmals in Graz und erstmals den Don Pizarro in Beethovens „Fidelio“. Der weltweit gefeierte Bassbariton sprach mit uns über Favoriten, Goldkübel und seine kleinen großen Freuden namens Lili und Alffi.

Sir Bryn Terfel, Bassbariton von Weltrang, ist erstmals in Graz zu hören
Sir Bryn Terfel, Bassbariton von Weltrang, ist erstmals in Graz zu hören © Deutsche Grammophon/Mitch Jenkins
 

Wann und warum begannen Sie eigentlich zu singen?

Sir Bryn Terfel: Schon sehr früh. Ich nahm an lokalen Wettbewerben teil, zuerst einfach deshalb, weil ich gewusst habe, dass ich, sollte ich erfolgreich sein, Geld dafür bekäme. Mit diesem wollte ich mir einen Fußball und ein Rugby Shirt zu kaufen. Aber schon ab dem Alter von drei Jahren an habe ich mich gerne in Szene gesetzt.

Stammen Sie aus einer musikalischen Familie?

Beide Eltern wie auch meine Groß- und Urgroßeltern sangen im Kirchenchor, und man sagte, dass sie alle großartigen Stimmen hatten. Offenbar haben wie dies alle im Blut.

Was empfinden Sie als Ihren persönliche Karrierestart?

Mein zweiter Preis beim „BBC-Cardiff Singer of the World“ Wettbewerb 1989. Es war für mich eine Ehre, daran teilzunehmen und das eigene Land zu vertreten. Es ist die beste und wichtigste Audition in jeder Karriere. Und zudem war für Bryn, dem Waliser, natürlich auch 1987 der erste Preis das „Blaue Band“ des National Eisteddfod in Porthmadog, für mich das bedeutendste Festival von Wales, als Preis für Stimmen unter 25 Jahren etwas ganz Besonderes.

War nicht auch ihr Debüt als Johanaan in der „Salome“ von Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen ein Meilenstein ihrer Karriere?

Noch wichtiger für mich war schon zuvor die Verkörperung des Geisterboten in der „Frau ohne Schatten“ von Strauss unter Sir Georg Solti, mit einer imposanten, internationalen Besetzung. Es war meine erste große Produktion auf der bedeutenden Bühne von Salzburg. Ich werde den Moment nie vergessen, als ich von einem Dachsparren herunterbaumelnd dort sang. Und natürlich war ich hier auch als Johanaan richtig glücklich. Ich hatte das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und zu Gerard Mortiers Projekte gepasst zu haben.

Was waren Ihre ersten Rollen an der Wiener Staatsoper?

Figaro und dann gleich Leporello. Es war wie ein Kübel mit Gold, den man mir damals über meinen Kopf gegossen hat: Johanaan oder Falstaff waren immer meine Opernfavoriten in Wien und später der Scarpia in der „Tosca“ und der Dulcamara im „Liebestrank“.

Was sind eigentlich Ihre liebsten Komponisten und Rollen?

Anfänglich war Mozart für mich wie Butter am Brot, diese Partien musste ich aber aufgeben. Bei Verdi kann ich leider nur Falstaff singen, mit allen anderen seiner Rollen komme ich an mein stimmliches Limit. Wie gerne würde ich Rigoletto, Boccanegra und Jago singen, aber diese hohen Baritonrollen sind diametral zu meiner Stimme. Deshalb grase ich im wunderbaren Feld der Wagnerianischen Stimmen. Dynamik, Legato, Geschichten für Wochen und Monate verschmelzen hier zu magischen Momenten, und ich besteige diese musikalischen Berge mit großer Sorgfalt und Achtung. Es ist eine absolute Freude Wotan, Sachs, Wolfram und den Holländer zu singen, das sind wahrer Schatzfunde für einen Bassbariton.

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