Sie selbst sang bei der Nordischen WM in Lahti schon einmal auf einer Skisprung-Schanze. Dass sich die finnische Mezzosopranistin Lilli Paasikivi mit Outdoor-Spielstätten auskennt, ist für ihren neuen Job nicht von Nachteil. Seit Herbst leitet sie die Bregenzer Festspiele, die erste Ausgabe unter ihrer Intendanz eröffnet sie am Mittwoch mit einem ihrer „Lieblingswerke“: der Oper „Œdipe“.

Einen Tag später wird Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ als „Geschenk“ von Vorgängerin Elisabeth Sobotka auf der angeblich größten Seebühne der Welt wiederaufgenommen. Mehr als 6600 Menschen haben pro Abend Platz im schönsten Freiluft-Zuschauerraum des Landes; wetterbedingt ist er freilich nicht der einfachste.

Das
Kehrt 2025 erneut wieder: „Der Freischütz“ unter der Regie von Philipp Stölzl © APA/DIETMAR STIPLOVSEK

„Das Erlebnis am See muss tief und schön sein“, erzählte die Intendantin unlängst der „Augsburger Allgemeinen Zeitung.“ Nach der Leitung der Finnischen Nationaloper tauschte die 59-Jährige ihre 1000-Seen-Heimat gegen den Bodensee. „Die Welt ist mein Arbeitsplatz“, sagte sie dazu in einem ORF-Interview.

Ein wenig ist die neue „nordische DNA“ im Ländle schon spürbar: Die Besucherinnen und Besucher erwartet finnische Expertise – etwa vom Choreografen Tero Saarinen sowie von den Dirigenten Hannu Lintu und Jukka-Pekka Saraste. Zudem lädt sie – ganz nach finnischer Tradition – zum Tango an öffentliche Orte, also an den See.

Die Vielfalt dieses Festivals hätte die enthusiastische Song-Contest-Zuschauerin und Wagner-Sängerin begeistert. Mit der Uraufführung „bumm tschak oder der letzte henker“ von Ferdinand Schmalz, inszeniert von Burgtheater-Chef Stefan Bachmann, kommt eine spannende Koproduktion nach Bregenz und ab September an die Burg. Für 2026 stehen aber auch ihr große Subventionskürzungen ins Haus.