Hatching
Tinja ist die Tochter einer finnischen Vorzeigefamilie. Die Helikopter-Mutter präsentiert die zuckerlrosa Idylle auf ihrem Videoblog und macht ordentlich Druck bei Tinjas Kunstturn-Wettbewerb. Doch als in bester Hitchcock-Manier ein schwarzer Vogel ins Wohnzimmer fliegt und die Teenagerin sein Ei findet, bricht die schrecklich-perfekte Fassade auf. Tinja brütet ein dunkles Wesen aus, das bald schlüpft und sich gegen Bedrohungen seiner Herrin brutal zur Wehr setzt. Regisseurin Hanna Bergholm baut in ihrem beim Sundance-Festival präsentieren Debütfilm eine simple Symbolik zur Parabel über Familienkonflikte und Selbstbehauptung einer Jugendlichen aus. Mit faszinierender Hochglanz-Bildsprache und analogen Kreatur-Effekten des Star-Wars- und Jurassic-Park-Designers Gustav Hoegen wird das Unterbewusste filmisch zum Leben erweckt – etwas durchschaubar und schematisch, aber durchaus konsequent. Freud hätte seine Freude!

Wertung: ***

Tiger & Dragon (2000)
Eine doppelte Romanze, gehüllt in die historischen Gewänder einer chinesischen Kampfkunst-Sage rund um zwei ältere und zwei jüngere Liebende. Die Redewendung des vollen Titels "Crouching Tiger, Hidden Dragon" weist auf die Gefühle und Begierden hin, die sich unter der Oberfläche verbergen. Martial Arts ist beim "Brokeback Mountain"-Regisseur und Melodrama-Spezialist Ang Lee vor allem eine emotionale Ausdrucksform, ein handfester Dialog, der schon einmal fließend in eine leidenschaftliche Umarmung übergehen kann. Lees auch für ein westliches Publikum erzähltes Meisterwerk aus dem Jahr 2000 ist mit seinen atemberaubenden Bildern für ein Revival des Wuxia-Kampfkunst-Genres im We asten verantwortlich, zusammen mit dem politisch-epischeren "Hero" von Zhang Yimou. Ein All-Star-Cast u. a. mit den Kämpferinnen Michelle Yeoh und Zhang Ziyi bringt uns die Figuren nahe, während die Kamera ein traumhaftes Farbenspiel zelebriert. Ein romantisches Eastern-Märchen, zum Weinen schön!

Wertung: *****


Der perfekte Chef

Julio Blanco liebt das Gleichgewicht. Der Chef der Waagen-Fabrik Básculas Blanco ist "El Buen Patrón". Seine Angestellten seien seine Familie, da er doch selbst keine Kinder habe. Er greift schon mal zum Hörer und holt den Sohn eines alten Angestellten von der Polizeistation ab. Und wenn der Produktionsleiter Miralles wieder mal Aufträge ordentlich versemmelt, bittet er ihn zum Mittagessen, um die Probleme zu besprechen, die dahinter stecken. Immerhin seien ihre Väter schon zusammen zur Jagd gegangen. Miralles habe ihn doch schon damals vor Ärger gerettet. Also hilft ihm der Chef nun in der Ehekrise.
Mehr dazu in Marian Wilhelms Kritik zum 'Film der Woche'.