Film der WocheFünf Agentinnen retten die Welt – und die Männer steigen nicht gut aus

Simon Kinberg sorgt mit dem Starvehikel "The 355" rund um Jessica Chastain, Penelope Cruz und Lupita Nyong'o für einen Genre-Spaß in weiblicher Bestbesetzung.

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Und Action! Jessica Chastain in "The 355" © AP
 

Mace und Nick sind auf Hochzeitsreise in Paris. Doch das ist nur die Tarnung der beiden CIA-Agenten. Sie sollen eine übermächtige Hacker-Hardware von einem Kolumbianer in Empfang nehmen – der abstruse MacGuffin dieses Films. Doch als ihnen die deutsche Kollegin Marie Schmidt (Diane Kruger) dazwischenkommt, startet eine erste doppelte Verfolgungsjagd durch die Arkaden und Metrotunnel von Paris. Wie einst bei „Mission Impossible“ geht also zu Beginn des Agenten-Thrillers „The 355“ gleich einmal ordentlich etwas schief. Mace (Jessica Chastain, die auch Produzentin ist) muss sich alleine durchschlagen und holt recht bald die alte Cyber-Spionage-Freundin Khadijah (Lupita Nyong’o) vom britischen Geheimdienst als Unterstützung an Bord. Wie unschwer am Filmposter zu erkennen, finden sich die ungleichen Kämpferinnen bald als schlagkräftiges Team zusammen.

Als Vierte im Bunde stößt noch die in Weltrettungsmissionen unerfahrene kolumbianische Therapeutin Graciela (Penélope Cruz) dazu. Und damit die Internationalität komplett ist, spielt auch das chinesische „Ministerium“ noch eine entscheidende Rolle, vertreten durch Lin Mi Sheng (Fan Bingbing). Wie immer, wenn China repräsentiert ist, geht es um wichtige Kino-Einspielergebnisse, die mit inhaltlicher Konformität erkauft werden: Die chinesischen Autoritäten dürfen nicht erfolglos dargestellt werden.

Doch das ist im ohnehin generischen Plot von Simon Kinbergs hochkarätig besetztem Action-Kracher eine Nebensächlichkeit. Auch wenn man dem 0815-Genrefilm seine Konzeptionalität an der Nasenspitze ansieht, ist die Umsetzung doch ordentlich professionell. In bester globaler Spionage-Touristen-Manier geht es von Kolumbien und Paris über London und Marokko bis zum Showdown nach Schanghai. Dort steigen an einem Punkt die Einsätze der Agentinnen in einer an sich recht flott und locker erzählten Geschichte plötzlich rasant an: Drehbuch und Regie sind etwas hilflos gefangen zwischen stylischem Agentinnen-Abenteuer und guter, schnörkelloser Action. Die Männer – so viel sei verraten – steigen jedenfalls nicht gut aus, während die Frauen die Welt retten.

Der Titel verweist übrigens auf eine Spionin im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, von der nur ihre Nummer überliefert wurde – nur 007 statt Bond, James Bond. Mit ihm vergleicht Lupita Nyong’os Figur ihren Einsatz an einer Stelle. Jessica Chastain erwidert darauf nur, dass Bond am Ende doch immer alleine da steht. Zumindest das passiert den „355“-Agentinnen nicht.

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