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Filmfestival LocarnoGoldene Leoparden: Schwere Entscheidung für die Jury

Politisch engagiert oder künstlerisch originell: Am Samstag werden die Preise der Filmfestspiele vergeben und viele Preise wären des Goldenen Leoparden würdig. Ein Überblick über die Favoriten.

Ein Panormablick auf das Filmfestival Locarno © APA/KEYSTONE/ALEXANDRA WEY
 

Die 71. Ausgabe des Filmfestivals Locarno, die letzte unter der künstlerischen Leitung des künftigen Berlinale-Chefs Carlo Chatrian, endet am Samstagabend mit der Preisverleihung. 14 Spielfilme und eine Dokumentation haben sich um den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, beworben.

Der Jury dürfte es schwer haben. Denn zwei Drittel der Wettbewerbsbeiträge haben eine Auszeichnung verdient.

Die Favoriten

Zu den Favoriten gehört etwa das beklemmende deutsche Anti-Terrorismus-Drama "Wintermärchen". Regisseur Jan Bonny ("Gegenüber") verfolgt darin die Blutspur dreier junger Rechtsradikaler. Der Film irritiert, weil er nichts erklärt, keine Wertung bietet. Aber genau das provoziert die Zuschauer dazu, über möglich gesellschaftliche Ursachen nachzudenken. Im Konkurrentenfeld findet sich aber auch "Sibel", eine internationale Gemeinschaftsproduktion. Das türkisch-französische Regieduo Cagla Zencirci und Guillaume Giovanetti erzählt mit packender Intensität die düstere Geschichte der Selbstbehauptung einer jungen Türkin.

Chancen hat daneben der einzige Dokumentarfilm im Wettbewerb, "M", von der französischen Regisseurin Yolande Zauberman. Sie beleuchtet eindringlich das Thema Kindesmissbrauch. Das Politdrama "Ein Familienausflug" von dem außerhalb seiner Heimat lebenden chinesischen Regisseur Ying Lang gilt als weiterer Leoparden-Kandidat. Der Film spiegelt gedankenreich die Schwere eines Lebens ohne demokratische Grundrechte.

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Lassen sich das Heimspiel nicht entgehen: die Schweizer Filmemacher Markus Imhoof und Christian Fre Foto © APA/KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Nationale Sittengemälde

Spielfilme aus den USA, England und Chile liegen aber auch gut im Rennen. Die Frage ist, ob die Jury ein politisch engagiertes Kino oder künstlerisch besonders originelle Handschriften ehren will. Dann käme das 14-stündige Epos "Die Blüte" aus Brasilien in Betracht. Regisseur Mariano Llinas feiert damit auf originelle Weise das klassische Hollywoodkino. Formal ungewöhnlich sind auch das italienische Historien-Panorama "Menocchio" und das südkoreanische Sittengemälde "Das Hotel am Fluss".

Für die Auszeichnung als beste Schauspielerin und bester Schauspieler gibt es ebenfalls mehrere Anwärter. Die US-Amerikanerin Mary Kay Place ("Diane") und die Türkin Damla Sönmez ("Sibel") gelten vielen als Spitzenkandidatinnen. Bei den Männern liegen der Italiener Marcello Martini ("Menocchio") und der Südkoreaner Ki Ju-bong "Das Hotel am Fluss" in den Umfragen vorn.

Im Wettbewerb der den Newcomern vorbehaltenen Sektion "Filmemacher der Gegenwart" kann die in Wien lebende, syrische Regisseurin Sara Fattahi mit ihrem Zweitling "Chaos" hoffen. 15 Konkurrenten finden sich hier im Feld. Bereits sicher gewonnen haben in Locarno jene Filmfans, die anspruchsvolle Kinokost lieben. Ihnen hat das nach Berlin, Cannes und Venedig weltweit wichtigste Filmfestival auch 2018 Bestes geboten. Bleibt zu hoffen, dass die reiche Ernte dieses Locarno-Jahrgangs rasch in die Filmtheater kommt.

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