Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Premiere im Stadttheater Teils vergnüglich skurril, teils unnötig didaktisch

Mitten im Nationalratswahlkampf hatte Friedrich Schillers Komödie "Der Parasit" am Landestheater Niederösterreich Premiere. Nach der Angelobung der neuen Bundesregierung ist die Produktion nun im Klagenfurter Stadttheater zu sehen. Lesen Sie hier die Kritik der Austria Presse Agentur vom September 2019.

Das Ensemble in Friedrich Schillers "Der Parasit" © (c) ARNOLD POESCHL
 

"Eine passende Ansage in Zeiten des Wahlkampfs" nannte die APA die Saisoneröffnungspremiere in St. Pölten. Die Inszenierung von Fabian Alder - eine Koproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt - und vor allem die schauspielerischen Qualitäten der Mitwirkenden wurden vom Premierenpublikum mit viel Applaus honoriert.

Und weiter hieß es: Allein die Entstehung dieses Stücks ist ein veritabler Treppenwitz, denn es handelt sich im Grunde um die Übersetzung eines Lustspiels von Louis Benoit Picard, der bei der Uraufführung der deutschen Fassung von Friedrich Schiller allerdings unerwähnt blieb. Also selbst der hehre Weimarer entpuppte sich auf ernüchternde Weise als Parasit im Sinne des Protagonisten Selicour, der fremde Ideen als seine eigenen ausgibt, aber jegliche Verantwortung delegiert, wenn etwas schief läuft.

Schräge Figuren

Regisseur Alder legt die Sache mit viel überkandideltem Sarkasmus an. Er hat offenbar einiges von Herbert Fritsch gelernt und gestaltet die Charaktere als vergnüglich schräge Figuren, die in grotesken Choreografien und maskenhafter Mimik die Drehbühne bevölkern. Tommy Garvie hat eine Art Büroturm mit vielen Türen entworfen, die Kostüme (Johanna Lakner) sind durch korsettartige Oberteile geprägt, die den Personen in ihrer Breitschultrigkeit einen skurrilen Touch verleihen. Das kommt über weite Strecken recht witzig über die Rampe.

In diesem Sinne ragen besonders Tobias Artner als Selicour und Tobias Voigt als Firmin hervor, Rene Dumont als Minister ist als gutmütige Marionette gezeichnet, Heike Kretschmer als La Roche muss zu sehr forcieren und verstärkt dadurch den latenten Hang zu akustischer Eintönigkeit. Ein paar nuancierte Zwischentöne hätten schon gut getan. So aber erfreuen zumindest ein paar verfremdete musikalische Zitate zwischen "YMCA" und Michael Jackson.

Aufgesetztes Finale

Vollends ärgerlich wird es leider im aufgesetzt wirkenden Finale, wenn in einem kabarettistisch-didaktisch anmutenden Epilog der Versuch unternommen wird, aktuelle Anklänge zu evozieren ("So sind wir nicht"), und die bis dahin eher farblos agierende Ministertochter Charlotte (Emilia Rupperti) in einem hysterischen Anfall zur fanatischen Generalanklägerin in Sachen Weltverbesserung mutiert. Schillers bzw. Picards Komödie wäre verständlich genug, um sie nicht noch dem Publikum erklären zu müssen. Schade, dass hier offenbar weder dem Stück noch den Zusehern diesbezüglich ausreichendes Vertrauen entgegengebracht wurde.

 

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.