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Heimspiel - Kultur für ZuhauseSpaß mit Böhm und Püree, Robbie und Gary

Kurze Schauspielerschnipsel und große Bühne, Klassiker der Neuen Musik und ein unverhofftes virtuelles Pop-Duett: Kultur-Empfehlungen, mit denen sich ein Donnerstag im vervirten April so halbwegs überstehen lässt.

Robbie Williams Konzert KLU August 2017
Überraschender Auftritt: Robbie Williams © KLZ/Markus Traussnig
 

Zwischen Böhm und Püree

Das Handyvideo beginnt ganz unverdächtig charmant. Schauspieler Frieder Langenberger in der Küche. Offenbar gibt es Spaghetti. Da kippt sich der junge Mann sehr unvermittelt eine Dose Tomatenpüree ins Gesicht - und zugleich in einen blutigen Monolog aus Shakespeares "Macbeth". Dessen Premiere musste Ende März ja wegen Corona auf unbestimmte Zeit verschoben werden, und solange diese "unbestimmte Zeit" eben andauert, unterhält das Grazer Schauspielhaus-Ensemble, dem Langenberger angehört, mit lustigen Kurzvideos aus der Selbstisolation. Und ab 18. April mit einer Aufzeichnung von Nikolaus Habjans und Paulus Hochgatterers gefeierter "Böhm"-Produktion über eine höchst widersprüchliche Künstlerpersönlichkeit Grazer Herkunft. Meine Kollegin Julia Schafferhofer sah in dem Stück in ihrer Rezension vor zwei Jahren einen "atemberaubenden Hochleistungsakt". Stimmt: Die Figurentheaterproduktion ist ein tolles Konglomerat aus Biografie und Fiktion, Farce und Schauerstück. Empfehlung zum Nachschauen: 18. April, ab 18 Uhr, zwei Wochen lang.
www.schauspielhaus-graz.com

Der Chor und das Kollektiv

Als exzellente Anlaufstelle für kräftige Dosen Theater erweist sich dieser Tage das Portal nachtkritik.de - jeden Tag gibt es eine neue Produktion aus deutschsprachigen Theater, heute etwa das Musiktheaterwerk "Mein Staat als Freund und Geliebte" des Komponisten und Aktionskünstlers Johannes Kreidler, uraufgeführt im April vor zwei Jahren in Halle. Das Werk für Chor, Video, einen Schauspieler, einen dramatischen Tenor, Ballett, Orchester und Elektronik macht sich über gegenwärtige Gemeinschaftskonzepte vom Patriotismus bis zur bürgerlichen Kleinfamilie her, untersucht Nationalismus und Massenbewegungen und nebenher auch noch die Schlüsselfunktion des Chors in der Oper. Und das alles, zack zack zack, in kompakten 90 Minuten. Morgen gibt's dann "Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie" nach Theodor Fontane, inszeniert von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Und am 19. Apirl - besonderes Schmankerl - die Dramatisierung von Agota Kristofs unglaublicher Totalitarismusstudie "Das große Heft", von Ulrich Rasche in Dresden inszeniert. Da wird's wohl rundgehen, Rasches stampfende Kollektive fungieren als große Überwältigungstheatermaschinen. Vorstellungsbeginn, wenn man so will, ist immer um 18 Uhr - gespielt wird 24 Stunden lang.
www.nachtkritik.de

Rihms "Oedipus"

Und gleich noch einmal Musiktheater, diesmal ei Rihm-Stück aus der Deutschen Oper Berlin. Anders als die meisten Institutionen fokussiert man sich hierbei allerdings nicht auf jüngste Erfolge und Regiearbeiten, sondern zeigt ein Best-of längst vergangener Zeiten. Und zieht dafür heute eine echte Preziose aus der Schatulle: Zu virtuellen Ehren kommt ab 15 Uhr, kostenlos für 48 Stunden, der Mitschnitt der Uraufführung von Wolfgang Rihms "Oedipus" - 1987 inszeniert von Götz Friedrich.
www.deutscheoperberlin.de

Alte Freinde, friedlich vereint

Und weil's ja auch gar nicht immer so anspruchsvoll sein muss: Um zu wissen, dass es zwischen Gary Barlow und Robbie Williams, beide eher keine Waserln in sachen Selbstbewusstsein, damals bei "Take That" oft ganz schön gescheppert hat, muss man kein Fan gewesen sein. Nach Auflösung der Boy-Band gingen sie einander jahrelang aus dem Weg, vor  zehn Jahren haben sie dann gemeinsam das Duett "Shame" aufgenommen - so eine Art musikalischer Generalentschuldigung für gegenseitiges schlechtes Benehmen ("Well there's three versions of this story mine and yours / And then the truth"). Seit März sitzt Barlow daheim und versucht mit Wohnzimmer-Musikvideos unterm Hashtag #thecroonersessions der quarantänebedingten Langeweile zu entkommen, indem er mit Haberern wie Jack Savoretti, Rick Astley und Cliff Richard virtuelle Duette singt. Inzwischen sind es 25 Stück, und abgesehen davon, dass es erstaunlich aufmunternd ist, Superstars, aber in Wahrheit: mittelrundliche, mittelalterliche Herren in ihren Musikecken herumhüpfen zu sehen, ist musikalisch ganz schön was  los. Und jetzt hat sich Barlowja  tatsächlich Robbie Williams eingeladen. Und der hat mitgemacht. Da weiß man gar nicht, ob man Barlows Streifenleiberl schöner finden soll oder den Umstand, dass Williams offenbar vor einem Ausmalheft sitzt. Oder doch, wie hübsch die beiden zusammenkrähen. Hier ist jedenfalls das Video:

 

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