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MonatsvorschauSprechtheater- und Musiktheaterpremieren im Oktober

Neuenfels' "Entführung" und Tschernjakows "Eugen Onegin" an der Staatsoper - Neue "Zauberflöte" an der Volksoper - "Mein Kampf" am Burgtheater - Hampton inszeniert Zweig an der Josefstadt.

"Entführung aus dem Serail": Die Inszenierung von Hans Neuenfelss 1998 für Stuttgart ist nun an der Staatsoper zu sehen © Staatsoper Stuttgart
/A. T. Schaefer
 

Wie vermutlich das ganze kommende Winterhalbjahr steht auch die Oktobervorschau auf das Programm der heimischen Bühnen unter einem Vorbehalt: Die schönsten Planungen können binnen kurzer Zeit Makulatur sein, wenn neue Anti-Corona-Regeln erlassen werden oder Erkrankungen im Ensemble auftreten. Bis auf einige Umbesetzungen, eine Vorstellungsänderung in der Volksoper und Absagen von Gastspielen aufgrund der neuen Reisewarnungen ist die Szene bisher aber glimpflich davongekommen.

An der Staatsoper wird der Reigen der Übernahmen mit Hans Neuenfels' ikonischer Fassung der "Entführung aus dem Serail" aus der Stuttgarter Oper (1998) und Dmitri Tschernjakows bereits in vielen Städten gezeigte Inszenierung von "Eugen Onegin" vom Moskauer Bolschoi-Theater (2006) fortgesetzt. Neuenfels hat alle solistischen Gesangsrollen von Mozarts Singspiel auch mit Schauspielern besetzt. "Mit guten Gründen darf man behaupten, dass es dem Theater selten so gelungen ist, die ebenso vielbeschworenen wie schwer greifbaren kammerspielhaften seelischen Komplikationen dieser Oper an die theatralische Oberfläche zu projizieren, wie in dieser Meisterinszenierung", wirbt die Staatsoper für die Wiener Premiere am 12. Oktober. In "Eugen Onegin" (Premiere: 25. Oktober) gibt es zahllose Hausdebüts einer jungen Sängergeneration, angeführt vom neuen Ensemblemitglied Tamuna Gochashvili als Tatjana und von Andre Schuen als Onegin.

Die Volksoper wartet im Oktober mit einem echten Hit auf - die erste neue Hausproduktion von Mozarts "Zauberflöte" seit 16 Jahren hat am 17. Oktober Premiere. "Henry Masons Neuinszenierung und die musikalische Neueinstudierung unter der Leitung von Anja Bihlmaier laden uns zu einem frischen Blick auf dieses Werk ein, das wir längst zu kennen glauben", verspricht das Haus am Gürtel. "Voll von archetypischen und ästhetischen, historisch-politischen und interkulturellen Bezügen, setzt diese Neubetrachtung die "Zauberflöte" in aktuelle Kontexte und Diskurse." #

Drei Tage vorher hat ein ebenfalls ikonisches Werk am Theater an der Wien Premiere: Der südafrikanische Regisseur Matthew Wild inszeniert George Gershwins "Porgy and Bess". In der freien Opernszene setzt das sirene Operntheater sein Kammeropernfestival "Die Verbesserung der Welt" im F23 mit gleich drei Produktionen ("Der Fremde" von Martin Horvath und Gerhard Winkler, "Amerika oder die Infektion" von Antonio Fian und Matthias Kranebitter sowie "Ikarus" von Thomas Arzt und Dieter Kaufmann) fort.

In den Bundesländer gibt es im Oktober auch eine Musiktheateruraufführung: In der Black Box des Linzer Musiktheaters verpassen Ola Rudner (Musik), und Angelika Messner (Text) am 4. Oktober Heinrich Bertes Operette "Das Dreimäderlhaus" eine Frischzellenkur.

Am Burgtheater bringt Itay Tiran 33 Jahre nach der legendären Uraufführung von "Mein Kampf" George Taboris Farce ans Große Haus. Markus Hering spielt Sholomo Herzl, Marcel Heuperman den jungen Hitler, Oliver Nägele den Koch Lobkowitz. Premiere ist am 9. Oktober. Tags zuvor holt man im Akademietheater die im Frühjahr unmittelbar vor der Premiere gestoppte Uraufführung von Franzobels Bühnenbearbeitung des Romans "Der Leichenverbrenner" von Lasdislav Fuks nach. Nikolaus Habjan inszeniert: "Die Mischung aus Sozialkritik und Satire, Horror und Groteske hat mich begeistert. Das ist die Art von Stoffen, die mich fasziniert", sagte der Regisseur im Gespräch mit der APA. Michael Maertens steht nicht nur in dieser Produktion, sondern drei Wochen später auch bei der nächsten Premiere auf der Akademietheater-Bühne: Barbara Frey inszeniert "Automatenbüfett", ein 1931 uraufgeführtes, nun wiederentdecktes und an Ödön von Horvath erinnerndes Kleinbürgerpanoptikum der Wiener Autorin Anna Gmeyner. Auch an den Nebenspielstätten ist was los: Im Vestibül hat am 4. Oktober Roland Schimmelpfennigs freie Hans-Christian-Andersen-Bearbeitung "Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin" Premiere, auch im Kasino wartet ein Andersen-Märchen: Rüdiger Pape bringt am 10. Oktober "Des Kaisers neue Kleider" als Familienstück heraus.

Das Theater in der Josefstadt bietet gleich am 1. Oktober eine neue Arbeit von Christopher Hampton: Der Brite, der 1989 mit einem Drehbuchoscar für "Gefährliche Liebschaften" ausgezeichnet wurde, kann die vom Coronavirus im März kurzfristig gestoppte Uraufführung von "Geheimnis einer Unbekannten" nach Stefan Zweig ebenso nachholen wie Janusz Kica die Premiere seiner Inszenierung von Hermann Bahrs "Das Konzert" am 15. Oktober. In den Kammerspielen kommt Folke Braband nach seiner Regie bei der Glattauer-Uraufführung "Die Liebe Geld" als Autor zum Zug: Er hat den Film "Un profil pour deux" von Stephane Robelin für die Bühne bearbeitet. "Monsieur Pierre geht online" kommt in der Regie von Werner Sobotka am 29. Oktober heraus, die Hauptrolle spielt Wolfgang Hübsch.

Am TAG widmet man sich ab 3. Oktober dem dystopische Klassiker "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury. Das Theater der Jugend läutet mit "Das große Shakespeare-Abenteuer" von Thomas Birkmeir am 13. Oktober die Saison ein. Am Rabenhof Theater nimmt sich Andreas Vitasek mit "Der Herr Karl" (Premiere: 20. Oktober) einer "bewährte Navigationshilfe bei der Suche nach der österreichischen Seele" an, und am Wiener Schauspielhaus kommt am 30. Oktober "Tragödienbastard" von Ewelina Benbenek zur Uraufführung.

In den Bundesländern gibt es gleich zu Monatsbeginn ein spannendes Tripel. Am 1. Oktober gibt Bernd Liepold-Mosser in "Servus Srecno Kärntenpark" am Stadttheater Klagenfurt einen Vorgeschmack auf die Feiern zu 100 Jahre Volksabstimmung. Am 2. Oktober bringt Mina Salehpour am Schauspielhaus Graz Goethes "Reineke Fuchs" auf die Bühne, und am 3. bringt das Linzer Landestheater das Auftragswerk "Die Sedierten" von Martin Plattner, "ein witzig-böses Sprachkunstwerk über schonungslosen Substanzengebrauch und die Mechanismen kollektiver Vereinsamung", zur Uraufführung

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