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MailandUnter Beschuss: Pereira will saudischen Minister im Scala-Aufsichtsrat

15 Millionen Euro in fünf Jahren ist der saudiarabische Kulturminister, Prinz Badr bin Farhan Al Saud, bereit, in die Scala zu investieren. Doch soll er dafür auch im Scala-Aufsichtsrat sitzen?

Alexander Pereira
Alexander Pereira ©  APA/AFP/MIGUEL MEDINA (MIGUEL MEDINA)
 

Wegen seines Plans, den saudiarabischen Kulturminister in den Aufsichtsrat der Scala aufzunehmen, ist der Intendant des Mailänder Opernhauses, Alexander Pereira, stark unter Beschuss geraten. Die Oppositionspartei Forza Italia kritisiert Pereira scharf und hat beim Kulturministerium in Rom protestiert.

15 Millionen Euro in fünf Jahren ist der saudiarabische Kulturminister, Prinz Badr bin Farhan Al Saud, bereit, in die Scala zu investieren. Pereira hat zuletzt enge Kontakte zu Saudi Arabien gepflegt. Unter anderem hat er kürzlich bei einer Pressekonferenz angekündigt, eine Inszenierung von Verdis "La Traviata" in Form eines Konzerts in Riad aufführen zu wollen. Laut der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" wird auch über die Gründung eines Konservatoriums in Riad unter Aufsicht der Scala-Akademie diskutiert. Dabei geht es um die Bildung eines Kinderchors und um ein Tänzerensembles, sowie um Klavier- und Geigenunterricht.

Die Aufsichtsratsmitglieder äußerten Bedenken gegenüber einem möglichen Einstieg des saudiarabischen Kulturministers in das Führungsgremium der Scala. Einige von ihnen bezeichneten Pereiras Pläne als "kühn" und riefen den Intendanten zum sofortigen Verzicht auf sein Vorhaben auf. Eine Lösung könnte der Einstieg der saudiarabischen Ölgesellschaft Saudi Aramco als Sponsor des Theaters sein. Über das Thema wird der Aufsichtsrat am 18. März beraten.

Der Fall beschäftigt inzwischen auch die Politik. Maurizio Gasparri, Senator der rechtskonservativen Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi, forderte vom italienischen Kulturminister, Alberto Bonisoli, eine Reaktion der Regierung zum möglichen Einstieg der saudiarabischen Regierung in den Scala-Aufsichtsrat. Vertreter eines Landes in den Aufsichtsrat zu holen, in dem der Respekt wesentlicher Menschenrechte nicht garantiert sei, sei besorgniserregend, schrieb Gasparri. "Die Geschichte und die Identität der Scala zu verteidigen ist auch eine Pflicht der Regierung", forderte der Senator.

Pereira versicherte, dass er über seine Pläne mit dem Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala, Präsident der Scala, sowie mit Kulturminister Bonisoli gesprochen habe, der zuletzt seinen saudiarabischen Kollegen getroffen habe. "Derartige finanzielle Angebote bekommt man nicht jeden Tag", betonte Pereira, der für die Scala in den letzten Jahren namhafte Sponsoren gewonnen hat. Zählte das Budget der Scala 2007 noch 105 Millionen Euro, so waren es 2017 126,5 Millionen Euro.

Die Polemik um den möglichen Einstieg des saudiarabischen Kulturministers in den Scala-Aufsichtsrat könnte Pereiras Karriere schaden. Der 71-jährige Kulturmanager macht kein Hehl daraus, dass er auf eine Mandatsverlängerung nach Ende seiner fünfjährigen Amtszeit im Februar 2020 hofft. Mehrere Kandidaten haben ihre Kandidatur für die Nachfolge Pereiras eingereicht. Die Scala hat bereits eine Head Hunter-Gesellschaft beauftragt, die Kandidaten für den Posten des Scala-Intendanten zu prüfen. Eine Liste mit 20 Namen, darunter jenen von drei Italienern, wurden dem Scala-Aufsichtsrat kürzlich vorgelegt.

 

Kommentare (2)

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ugglan
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Dann

kann er im Aufsichtsrat gleich "Die Entführung aus dem Serail" verbieten - tolle Idee!

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Lodengrün
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Pereira

ist und war stets ein fantastischer Verkäufer. Wen hat er nicht alles in Zürich zur Kasse gebeten? Hat es dem Theater geschadet? Mitnichten. In Salzburg hat er auch dieses Konzept ausgepackt, das war der Präsidentin und der Politik suspekt. Was war die Folge? Man hat ihn hinausgeekelt, die Aufführungen reduziert, die Subvention erhöht. So viel zum Weitblick unserer Genies.

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