AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Wiener StaatsoperPsychospiel zwischen Alb und Traum

Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ im Haus am Ring als freudloses Stehtheater. Wenigstens bewegt die Musik, mit Olga Peretyatko und Juan Diego Flórez als Belcanto-Garanten.

Weiterlesen mit unserem Digitalabo

Gratis testen

    Sie erhalten Zugriff auf:

  • Alle Kleine Zeitung Plus Artikel
  • Tägliches E-Paper
  • Smartphone App
Olga Peretyatko als "Lucia di Lammermoor" an der Wiener Staatsoper
Olga Peretyatko als "Lucia di Lammermoor" an der Wiener Staatsoper © WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN
 

"Lucia di Lammermoor“ ist ja eigentlich keine Oper, vielmehr ein einziger großer Seufzer, ein einziger Trauerzug Richtung Abgrund. Denn was schon bei den Montagues und Capulets scheiterte, kann auch bei den Ravenswoods und Ashtons nur ins Elend münden: Edgardo und Lucia stammen aus verfeindeten Adelsfamilien und lieben sich dennoch. Dieser Romeo und diese Julia aus dem Schottland um 1600 gehen dem traurigen Ende zu, noch ehe etwas richtig begonnen hat...

Gaetano Donizetti glückte 1835 der Wandel vom heiteren Belcanto hin zum dunklen Melodram. Seine Lucia wurde wie Verdis Violetta aus „La Traviata“ zum Inbegriff der tragischen Frauenfigur und zur Paraderolle großer Sopranistinnen von Maria Callas über Joan Sutherland bis zu Edita Gruberová, die 1978 in der Partie an der Staatsoper brillant debütierte. Das romantische Schlüsselwerk in der nicht wirklich staubfreien Regie von Boleslaw Barlog wurde danach bis 2012 im Haus am Ring ganze 158 (!) Mal gezeigt.

Höchste Zeit also für eine Neuinszenierung. Doch die Sicht von Laurent Pelly auf die Liebesgeschichte, die durch private Ranküne und politisches Kalkül vereitelt wird, dürfte gewiss nicht so lang überdauern. Der Pariser hat sich von Stummfilmästhetik inspirieren lassen. Vielleicht hat er deswegen so wenig zu sagen mit seinem Psychospiel zwischen Alb und Traum, das er zudem mit monochromen Kostümen ausstattet.

Edgardo und Lucia sind bei Pelly aschfahle Menschenhüllen statt brennend Liebende, und aus der fatalen Dreiecksbeziehung mit Lucias intrigantem Bruder Enrico schlägt er ebenfalls kaum Funken. Ja, man kann dieses Dramma tragico auch als Horror psychisch Angeknackster erzählen, die durch Schnee, düstere Häuser und Landschaften stolpern (Bühne: Chantal Thomas). Aber seine Figuren über weite Strecken beim stoischen Rampensingen oder mit Gesten aus der Opernvolksschule (Griff ans Herz: traurig! Griff an den Kopf: verzweifelt!) allein zu lassen, ist sträflich.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren