Nachtkritik Salzburg"Kommt ein Pferd in die Bar": Furiose Lebensbeichte vor dem Publikum

Beieindruckende Schauspielleistung: Samuel Finzi und Mavie Hörbiger brillieren in der Dramatisierung von David Grossmans gleichnamigen Roman "Kommt ein Pferd in die Bar".

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Furiose One-Man-Show über knapp drei Stunden: Samuel Finzi © APA/BARBARA GINDL
 

Während draußen der lang ersehnte Regen - samt Gewitter - kam, donnerte es drinnen im Salzburger Republic bei der deutschsprachigen Erstaufführung von "Kommt ein Pferd in die Bar" auch auf der reduzierten, aber Bildgewalt provozierenden Bühne: In einer Szene kracht eine Bretterwand, auf die Videos und eingefrorene Bilder geworfen werden um, um später liegend zur Drehbühne zu mutieren

Die zweite Romandramatisierung der Festspiele und das zweite Zwei-Personen-Stück geraten zur furiosen Lebensbeichte des Protagonisten Dov "Dovele" Grinstein. Der deutsche Schauspielstar Samuel Finzi wütet, schreit, zweifelt, singt, sampelt und entblößt sich in einem 2,40 Minuten dauernden beinahe One-Man-Kraftakt nach dem  gleichnamigen Roman des isarelischen Schriftstellers David Grossman. Er verkörpert in Westernstiefeln, Hemd mit ausgerissenen Knöpfen und einer Anzughose, aus der er bald die Säckel reißt, den mit seinem Leben hadernden Stand-up-Comedian Grinstein. Eine Publikumshure, ein Krakeeler, ein abgehalfterer Bühnenstar, der seine Zuschauerinnen und Zuschauer überhaupt nicht schont.

 

Salzburger Festspiele: Die ersten Bilder

Mittwochabend geht es in Salzburg mit der nächsten Theaterpremiere weiter: mit "Kommt ein Pferd in die Bar" im republic.  

APA/Barbara Gindl

Auch wenn der Titel einen Witz vermuten lässt, so verbirgt sich dahinter tatsächlich die Geschichte einer gescheiterten Theatervorstellung.

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Dennoch werden an diesem Abend einige Witze gemacht werden. Die Hauptfigur Dovele Grinstein, gespielt von Samuel Finzi, ist nämlich Stand-Up-Comedian und das Publikum wohnt seiner letzten Show bei.

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Die selbsternannte Publikumshure schont die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht, sondern beleidigt sie, beschimpft sie und verärgert sie.

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Die Show kippt aber endgültig, als eine Frau, die sich an ihn aus Kinder- und Jugendtagen erinnert erscheint. In dieser Rolle zu sehen: Burgtheatermimin Mavie Hörbiger.

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Dusan David Parizek inszeniert die Dramatisierung des gleichnamigen Romans von Autor David Grossman.

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Grossman beehrt die deutschsprachige Uraufführung und sprach auch vorab mit der Presse.

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Viel Spaß mit den weiteren Bildern von der Fotoprobe!

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Er kritisiert am Premierenpublikum diverse Damenlippen, Botox-Geschichter, schimpft auf Männer, die sich nicht vor ihren Frauen verbeugen oder lässt eine Schnapsflasche umgehen. Die wenigen, Besucher, die die Aufführung im Laufe des Abends verlassen, über die wird öffentlich eine Stricherlliste auf dem Bühnenboden geführt. Und er kritisiert Israels Politik in den Palästinensergebieten. Beides Mal mit der selben Taktik: tabuloser, mitunter derber Humor.

Dieser Typ auf der Bühne kämpft schon lange mit einem Trauma, einer vermeintlichen Ursünde in seinem Leben. Geschehen an jenem Tag, als er eine Entscheidung zwischen Mutter und Vater traf.

Zuschauer und Richter

Freigelegt wird dieses Dilemma von einer früheren Nachbarin mit reiner Seele. Burgtheatermimin Mavie Hörbiger, die zudem bei den Salzburger Festspielen auch noch in der Rolle der "Werke" im "Jedermann" zu sehen verhilft ihm in ihrer Rolle als schüchterne, aber zunehmend bestimmter werdende Pitz zu einer Neudeutung seiner Biografie. Und langsam entgleitet dem Entertainer die Show.

Regisseur Dusan David Parizek wagt einen Kniff: Die im Buch vorkommende Figur des erzählenden Anwalts Avischai Lasarstreicht er. In seiner Inszenierung tritt der Protagonist nicht nur vor das Publikum, sondern gleichzeitig auch vor das Hohe Gericht. Das ergibt eine spannende doppelte Ansprache.

Dovele G., meine Damen und Herren, auch genannt Dov Grinstein, ist der einzige Mensch auf der ganzen verdammten Welt, der bereit ist, eine ganze Nacht mit mir zu verbringen, und zwar ohne Geld, und das ist meines Erachtens die sauberste und objektivste Messlatte für wahre Freundschaft

Dov Grinstein

Tosender Applaus am Ende, insbesondere auch für den anwesenden Autor Grossman. Dem sang Finzi am Klavier mit Mavie Hörbiger und anderen ein Ständchen: "Let it be".

 

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