Während draußen der lang ersehnte Regen - samt Gewitter - kam, donnerte es drinnen im Salzburger Republic bei der deutschsprachigen Erstaufführung von "Kommt ein Pferd in die Bar" auch auf der reduzierten, aber Bildgewalt provozierenden Bühne: In einer Szene kracht eine Bretterwand, auf die Videos und eingefrorene Bilder geworfen werden um, um später liegend zur Drehbühne zu mutieren

Die zweite Romandramatisierung der Festspiele und das zweite Zwei-Personen-Stück geraten zur furiosen Lebensbeichte des Protagonisten Dov "Dovele" Grinstein. Der deutsche Schauspielstar Samuel Finzi wütet, schreit, zweifelt, singt, sampelt und entblößt sich in einem 2,40 Minuten dauernden beinahe One-Man-Kraftakt nach dem  gleichnamigen Roman des isarelischen Schriftstellers David Grossman. Er verkörpert in Westernstiefeln, Hemd mit ausgerissenen Knöpfen und einer Anzughose, aus der er bald die Säckel reißt, den mit seinem Leben hadernden Stand-up-Comedian Grinstein. Eine Publikumshure, ein Krakeeler, ein abgehalfterer Bühnenstar, der seine Zuschauerinnen und Zuschauer überhaupt nicht schont.

 

Er kritisiert am Premierenpublikum diverse Damenlippen, Botox-Geschichter, schimpft auf Männer, die sich nicht vor ihren Frauen verbeugen oder lässt eine Schnapsflasche umgehen. Die wenigen, Besucher, die die Aufführung im Laufe des Abends verlassen, über die wird öffentlich eine Stricherlliste auf dem Bühnenboden geführt. Und er kritisiert Israels Politik in den Palästinensergebieten. Beides Mal mit der selben Taktik: tabuloser, mitunter derber Humor.

Dieser Typ auf der Bühne kämpft schon lange mit einem Trauma, einer vermeintlichen Ursünde in seinem Leben. Geschehen an jenem Tag, als er eine Entscheidung zwischen Mutter und Vater traf.

Zuschauer und Richter

Freigelegt wird dieses Dilemma von einer früheren Nachbarin mit reiner Seele. Burgtheatermimin Mavie Hörbiger, die zudem bei den Salzburger Festspielen auch noch in der Rolle der "Werke" im "Jedermann" zu sehen verhilft ihm in ihrer Rolle als schüchterne, aber zunehmend bestimmter werdende Pitz zu einer Neudeutung seiner Biografie. Und langsam entgleitet dem Entertainer die Show.

Regisseur Dusan David Parizek wagt einen Kniff: Die im Buch vorkommende Figur des erzählenden Anwalts Avischai Lasarstreicht er. In seiner Inszenierung tritt der Protagonist nicht nur vor das Publikum, sondern gleichzeitig auch vor das Hohe Gericht. Das ergibt eine spannende doppelte Ansprache.

Tosender Applaus am Ende, insbesondere auch für den anwesenden Autor Grossman. Dem sang Finzi am Klavier mit Mavie Hörbiger und anderen ein Ständchen: "Let it be".