Stadttheater KlagenfurtSpannender Opernthriller mit Sex and Crime

Das Stadttheater Klagenfurt zeigt eine rundum gelungene, packende „Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitri Schostakowitsch.

Svetlana Sozdateleva als Katerina und Gleb Nikolsky als ihr Schwiegervater
Svetlana Sozdateleva als Katerina und Gleb Nikolsky als ihr Schwiegervater © Arnold Pöschl
 

Sie ist ein Glücksfall für das Kärntner Sinfonieorchester: Denn was Kristiina Poska unseren Musikern bei Dmitri Schostakowitsch „Lady Macbeth von Mzenks“ am Stadttheater Klagenfurt herauslockt, ist ein Ereignis: Grelle, schneidende Orchesterfarben mit ausgelagerten Blechbläser in den Proszeniumslogen, krasse Realistik, lyrisches, subtil musiziertes, kammermusikalisches Pathos wechselt mit grotesk-parodistischer Überspitzung und illustrativer Vulgarität. Auch die irreguläre Rhythmik und die brutalen Steigerungen werden expressiv und spannungsgeladen herausgearbeitet.

Uneingeschränkt glücklich wird man diesmal auch mit dem Sängerensemble: Svetlana Sozdateleva verausgabt sich darstellerisch und stimmlich bis an ihre Grenzen. Sie ist eine ungemein facettenreiche Katerina Ismailowa, von unbefriedigt über lasziv bis exzessiv. Der Arbeiter Sergej wird vom virilen Alexej Kosarev kraftvoll und höhensicher gesungen. Gleb Nikolsky singt den despotischen und erotomanischen Vater Boris mit starker, bösartiger Präsenz und Stimmgewalt. Joshua Owen Mills ist sein schwächlicher Sohn Sinowij mit hellem Tenor. Iris van Wijnen ist in gleich zwei Partien als gequälte Axinja und laszive Sonjetka ideal zu erleben. Auch das übrige Ensemble und der Chor des Hauses (Einstudierung: Günter Wallner) lassen keine Wünsche offen. Und was diesmal besonders auffällt: Alle sind zudem großartige Darsteller.

Dies ist sicher auch dem Regisseur Immo Karaman zu verdanken, der eine auf die Musik bezogene, punktgenaue, detaillierte Inszenierung, reich an Bildzitaten hinlegt. Als Theater im Theater konzipiert schwankt sie zwischen krassem, teils drastischem Realismus, ironisierender Satire und Surrealem und geht insgesamt wie ein Thriller unter die Haut. Großer Jubel!

Eine ausführliche Kritik folgt in der Samstag - Printausgabe.

Kommentieren