NachtkritikBurgtheater: Umjubelte Uraufführung von Ferdinand Schmalz' "jedermann (stirbt)"

Nicht frömmelnd, aber hochmoralisch: "jedermann (stirbt)", Ferdinand Schmalz' sprachmächtige Überschreibung des hofmannsthalschen Dramas, befasst sich mit großen Fragen und letzten Dingen.

FOTOPROBE BURGTHEATER: JEDERMANN (STIRBT)
Markus Hering (Mitte) als Jedermann sowie Ensemblemitglieder © APA/SCHLAGER
 

Ferdinand Schmalz schreibt einen "Jedermann" für das Burgtheater: Der junge steirische Erfolgsdramatiker hat sich im Auftrag des Hauses das hofmannsthalsche Drama zur Entlüftung vorgenommen. Das alte Spiel vom Sterben des reichen Mannes, auf dem Salzburger Domplatz seit Jahrzehnten der große Quotenbringer, ist für eine führende Sprechtheaterbühne wohl zu frömmelnd-barock. Die Moralität aber, das zeigt die euphorisch bejubelte Uraufführung am Freitag Abend in Wien, lässt sich dem Stoff auch in der aktualisierten Version nicht so leicht austreiben.

„jedermann (stirbt)“, so der Titel von Schmalz’ Neufassung, drückt sich zwar ein wenig um die großen Themen von Glauben, Reue, Erlösung herum, mag aber auf die tröstliche Hoffnung auf ein Jenseits ebenso wenig verzichten wie auf die große Abrechnung mit dem Materialismus unserer Zeit und mit der Verdrängung des Todes in der Spaßgesellschaft. Das alles wird in mehreren langen, aufrüttelnd-pathetischen Monologen zelebriert, und das alles hätte man auch schon oft genug gehört; nicht aber in der einzigartigen, wuchernden, schamlos überbordenden Sprache von Schmalz. Da muss sich Jedermann vom Mammon anhören: "dein geld fickt da in den taschen der anderen drin, um die kinder, diese zinseszinsen, bei dir abzuliefern dann" und die "Buhlschaft Tod" erkennt in dem Todgeweihten letztendlich nur noch "die ruinen davon, was am frühen abend noch eine festung von einem menschen gewesen ist."

Kongenial umgesetzt hat diesen Text Regisseur Stefan Bachmann, der das achtköpfige Ensemble passagenweise im Chor sprechen und singen lässt. Der Ort der Handlung ist vor eine goldfleckige Mauer verlegt, durchstoßen von einer enormen Röhre (Bühne: Olaf Altmann). Diese fantastische Durchgangsstätte wird zum Schauplatz einer pointenreichen und sprachmächtigen Abrechnung mit der gewählten Besinnungslosigkeit unserer Tage. Figuren des hofmannsthalschen Originals hat Schmalz so miteinander verschmolzen, dass neben dem hinreißenden Markus Hering als Jedermann auch Barbara Petritsch als Buhlschaft Tod, Oliver Stokowski als armer Nachbar Gott und Mavie Hörbiger als Mammon und Charity groß aufspielen können. Langer, sehr langer Applaus nach knapp zwei Stunden.

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