Ihr erstes gemeinsames Mal schlug ein, es war gleichsam ein künstlerisch erfolgreiches Match beim Theater-Tinder. Die Rede ist von Ferdinand Schmalz‘ umjubelter und mit einem Nestroy geadelter Überschreibung „jedermann (stirbt)“ am Wiener Burgtheater. Die Kritik in der Kleinen Zeitung schwärmte damals von der „einzigartigen, wuchernden, schamlos überbordenden Sprache“ von Schmalz. Inszeniert hat die Uraufführung 2018 Stefan Bachmann – nunmehr Burgtheaterdirektor. Kein Wunder also, dass sich der Chef höchstpersönlich dem nächsten Stück des gefragten Dramatikers annimmt. „Bumm tschak oder der letzte henker“ feiert heute Premiere bei den Bregenzer Festspielen, bevor die Koproduktion am 4. September die Burg-Saison am Wiener Akademietheater einläuten wird.

Im Fokus des „Richtspiels“ steht Österreichs autokratische Kanzlerin, die frappierende Gemeinsamkeiten mit FPÖ-Chef Kickl aufweist und die Todesstrafe wieder einführen will. Als erste Amtshandlung. Das flüstert sie zumindest dem Szeneklubbesitzer ins Ohr. Die Figurennamen der hintersinnigen Polit-Aufstellung heißen in konsequenter Schmalz‘scher Kleinschreibung: systemschergen, flamboyanza, die strenge tür, der strafvollzugsbeamte, der delinquent. Das hochkarätige Ensemble mit u.a. Bachmanns Partnerin Melanie Kretschmann, Burg-Rückkehrer Mehmet Ateşçi sowie Sarah Viktoria Frick, Max Simonischek, Maresi Riegner und Co. kann sich sehen lassen.

Erste Probenfotos: Mehmet Ateşçi, Stefanie Dvorak, Sarah Viktoria Frick
Erste Probenfotos: Mehmet Ateşçi, Stefanie Dvorak, Sarah Viktoria Frick © Tommy Hetzel

Seine Recherchen im politisch rechten Spektrum, erzählte Schmalz der „Zeit“, hätten ihn auf den letzten Scharfrichter der K.-u.-k.-Monarchie gebracht: Josef Lang. Historisches bleibt in den Stücken des als Matthias Schweiger geborenen Steirers niemals bloß historisch. In „Bumm tschak oder der letzte henker“ ist diese Figur Projektionsfläche für hochaktuelle Fragen: Wer sind die Vollstrecker in gegenwärtig autoritären Systemen?

Der 1985 geborene Schmalz versorgt das Publikum nebst der Zustandsbeschreibung immer auch mit Zuversicht. Die Abgründe leuchtet er mit seiner artifiziellen Kunstsprache sowie seinem Humor aus. Der hat es in sich, entlarvt schwarzgallig, spitzbübisch, stets hinterfotzig.

Vielfach ausgezeichnet

Die Liste seiner Auszeichnungen steht jener seiner Werke um nichts nach: Retzhofer Dramapreis, Einladung zu den Mühlheimer Theatertagen und den Autorentagen Berlin. Es folgten Bachmann-, Rosegger-, Schnitzler- sowie heuer der Jonke-Preis. Seine Sprachmächtigkeit ist der Vielfalt verpflichtet. Das Romandebüt „Mein Lieblingstier heißt Winter“ wird als mehrteilige Operettensoap an der Oper Graz gefeiert.

Auf den Henker folgt im Herbst übrigens das Grusical „Sanatorium zur Gänsehaut“ in Frankfurt. Diese wird aufziehen.