Diagonale 2018"Zauberer" als lange "Bösterreich"-Folge

Gemeinsam einsam: Das Regiedebüt von Sebastian Brauneis vereint vier Handlungsstränge nach einer Vorlage von Clemens J. Setz. Ab 20. April im Kino!

© Superfilm
 

Jeder ist sich selbst der nächste - weil sonst einfach keiner da ist. Diese triste Sicht auf das Leben zeichnet "Zauberer", der Debütfilm von "Bösterreich"-Regisseur Sebastian Brauneis, dessen Drehbuch gemeinsam mit Burg-Naturgewalt Nicholas Ofczarek und Erfolgsliterat Clemens J. Setz entstanden ist. Am Freitagabend feierte das Werk bei der Grazer Diagonale seine Österreichpremiere.

"Zauberer" verwebt virtuos vier Handlungsstränge zu einem großen Garn. Ein Analytiker (Ofczarek) ist mit seiner blinden Lebensgefährtin (Tamara Metelka) in einer dunklen Weltwahrnehmung verbunden, eine Schulärztin (Regina Fritsch) entführt nach ihrer Entlassung einen Buben (Nono Bangert), eine Mutter (Michaela Schausberger) pflegt ihren behinderten Sohn (Jakob Eder) daheim und will sich mit einem Callboy (Florian Teichtmeister) über die Einsamkeit retten, und ein Jugendlicher (Joel Basmann) hinterlässt seine Handynummer im Sexclub an der Wand und wird bald von potenziellen Freiern mit Anrufen bombardiert.

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Diese vier Erzähllinien, die sich nur stellenweise kreuzen, eint das Vereinzeltsein, die Einsamkeit, und der verzweifelte Versuch, ihr zu entkommen. Es sind die bekannten Sujets von Clemens J. Setz, der mit einer Kurzgeschichte die Vorlage zu "Zauberer" lieferte, die einem nun auch auf der Leinwand begegnen: die Atmosphäre der Verunsicherung, die aus der Labilität der Situationen erwächst, Abhängigkeitsverhältnisse im Zusammenleben und eine Welt der Sozialen Medien, in der Intimität scheinbar leicht verfügbar und gerade dadurch unendlich weit entfernt scheint.

"Clemens Setz weiß, dass man in einem abstrakten Rahmen alles machen kann, ohne es so zu meinen", zollte Regisseur Brauneis seinem erstmaligen Co-Drehbuchautor Respekt. Magisches Denken als Methode der Selbstermächtigung hat dabei ebenso seinen Platz wie das Surreale, das Flirrende im scheinbar nüchternen Alltag. In seinen guten Momenten erinnert "Zauberer" an die subkutane Bedrohung in Lynch-Filmen, an fragile Beziehungskonstellationen, die jederzeit in Gewalt umschlagen können.

In seinen schwächeren Momenten, die so selten nicht sind, gleicht der Episodenfilm jedoch eher einer langen "Bösterreich"-Folge, was nicht zuletzt am dominanten Spiel des in beiden Formaten präsenten Nicholas Ofczarek liegt. Zynismus und Empathie für die Charaktere gehen oftmals nicht gut zusammen. Letztlich erfüllt "Zauberer" über weite Strecken das Klischee des internationalen Marktes vom depressiven, schwarzhumorigen österreichischen Kino, immerhin hochästhetisch gefilmt (Kamera: Roman Chalupnik). "Zauberer" ist ein Ulrich Seidl ohne Naturalismusanspruch.

"Ich glaube, dass die Einsamkeit die Grundmotivation ist, die uns antreibt zwischen den beiden Polen Geburt und Tod", unterstrich der 39-jährige Spielfilmdebütant Brauneis folgerichtig nach der Premiere seines Werks, das ab 20. Apri regulär im Kino zu sehen ist: "Ich bin nicht gern alleine - auch wenn ich es viel bin." Zumindest der Abend bei der Diagonale endete dann nicht einsam, legte Brauneis doch standesgemäß bei der Premierenfeier in der Kombüse im Stadtpark als DJ auf.

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