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Jubilar

Werner Schneyder teilt aus: Breitseiten gegen Bernhard, Heller, Jelinek

Kabarettist und Autor Werner Schneyder feiert Ende Jänner seinen 80. Geburtstag. Altersmilde macht ihn das aber nicht. In einem Interview teilt der Kärntner nun kräftig aus.

Meinungsstark: Kabarettist und Autor Werner Schneyder © Jürgen Fuchs
 

Der Kabarettist Werner Schneyder will kurz vor seinem 80. Geburtstag am 25. Jänner nicht weise, sondern klug sein - und sich vehement Gehör verschaffen. Seine Heimat Österreich müsste besser regiert werden, den Islam sieht er kritisch, und die Kultur-Heroen der Alpenrepublik wie Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek oder André Heller seien überschätzt, so Schneyder in einem Interview mit der Deutschen Presse Agentur.

Wie ist Ihre Stimmung beim Blick auf die Welt?
WERNER SCHNEYDER: Sie pendelt zwischen Optimismus und Pessimismus, zwischen Resignation und Tollwut. Bei dem Gangstersyndikat, das Donald Trump gerade zusammenstellt, wird einem angst und bange. Andererseits zeigt die Präsidentenwahl in Österreich wieder: Es lohnt sich, weiter seine Meinung zu sagen und manchmal auch zu brüllen.

Wie würden Sie sich politisch selbst beschreiben? SCHNEYDER: In einigen Punkten erzkonservativ, in anderen tief grün, flächendeckend liberal und sozialpolitisch sehr links.

Was macht Österreich richtig, falls es etwas richtig macht?
SCHNEYDER: Das Land macht etwas richtig, wofür es nichts kann, nämlich klein zu sein. Es hätte damit die Chance, beispielgebend zu sein und die Reichtumsgrenze zu bestimmen. In großen Ländern ist das Herstellen einer sozialen Balance viel schwieriger.

Was halten Sie von der neuen Umarmungs-Strategie seitens der SPÖ gegenüber der ausländerkritischen FPÖ?
SCHNEYDER: Das bisherige Modell einer Großen Koalition ist tot. Definitiv. Eine Koalition von SPÖ und FPÖ würde beide Parteien sprengen. In der FPÖ würden die Nobel-Nazis die Partei verlassen.

Was halten Sie von Außenminister Sebastian Kurz?
SCHNEYDER: Ich halte ihn für einen geschickten Vorzugsschüler, dessen Glanz verblassen wird. Er möchte wie ein Streber in allen Themen sehr gut sein. Solche Menschen sind mir verdächtig.

Verstehen Sie den Ruf vieler Menschen nach einer anderen Politik?
SCHNEYDER: Man muss Leuten, die sich zu Recht über ihre Lage beschweren, das Argument nehmen. Und die meisten dieser Argumente haben mit dem Teilen zu tun. Das Wort "Verteilungsgerechtigkeit" ist ein Unsinn. Wer will bestimmen, was gerecht ist? Es muss "Verteilungsvernunft" heißen. Ich möchte einfach erreichen, dass sich Bankdirektoren, die jetzt Tausende Menschen entlassen, öffentlich schämen.

Die aktuelle Medienwelt wird mitbestimmt von Themen und Kommentaren auf Facebook und Co. Ist das eine Gefahr?
SCHNEYDER: Eine Gesellschaft, die die Tür so aufmacht, dass jeder hineinurinieren kann, verliert ihre Würde. Am vielgescholtenen Stammtisch gab es wenigstens noch Rede und Gegenrede. Im persönlichen Gespräch überlegt man sich fast jeden Satz. Die asozialen Medien müssen kein Fluch sein, aber bitte nicht ohne ethischen Filter.

Verdienen die wirtschaftlichen Eliten noch den Begriff "Elite"?
SCHNEYDER: Es handelt sich hier oft um eine Gruppe ohne Intelligenz und Ethik. Da kann man eigentlich nur von negativer Auslese reden. Solche Leute zerstören die kaufmännische Moral, die soziale Balance und die Umwelt. Der Begriff hat sich ad absurdum geführt.

Sie sind ein Befürworter einer Legalisierung von Doping im Sport.
SCHNEYDER: Ja, was jetzt passiert, ist eine Farce. Leistungssteigernde Mittel werden in der gesamten Arbeitswelt eingesetzt. Wir prangern Missstände an, wobei doch der Sport exakt unsere Ökonomie widerspiegelt. Niemand kann beim Radsport ohne Chemie schnell über drei Berge fahren. Eine Freigabe von Doping wird den Sport heilen. Irgendwann wird es dann auch eine Bio-Variante des Sports geben - ohne Zusätze sozusagen. Wer hier dopt, der gehört dann aber ins Gefängnis.

Einen breiten Raum bei Ihren Auftritten nimmt auch der Islam ein. Ist er tatsächlich gefährlich?
SCHNEYDER: Der Islam gibt mir partout keine Auskunft darüber, was er von Selbstmordattentätern hält. Mir fehlt die Distanzierung islamischer Geistlicher zu den Motiven der Anschläge. Auch der Islam müsste exkommunizieren können. De jure ist er eine Religion, die die Weltherrschaft anstrebt. Wie kann ich es zulassen, dass mich jemand als "ungläubig" bezeichnet, wenn seine Religion die Ausrottung der Ungläubigen befiehlt?

Toleranz gegenüber dem Islam ist fehl am Platz?
SCHNEYDER: Wenn ich jemanden zum Essen einlade und der Mann bestimmt darüber, was seine Frau essen soll, dann breche ich das Essen ab. Wenn in einem Damen-Fußballteam eine Spielerin mit Burka aufläuft, dann sage ich, das geht nicht.

Ihre Abneigung gilt auch einigen Kultur-Heroen Ihrer Heimat, die im Ausland einen guten Ruf haben.
SCHNEYDER: Da werden einige falsch gesehen. Die positive Einschätzung von Thomas Bernhard ist ein literarischer Irrtum, der auf einer gewissen Magie des Faschistoiden beruht. Elfriede Jelinek ist eine Autorin ohne Formgefühl, ohne Gefühl für Dimensionen und Strukturen. Und André Heller ist ein virtuoser Blender.

Welche Kollegen schätzen Sie in Ihrem Bereich?
SCHNEYDER: Unter anderem Konstantin Wecker. Er ist eine große Figur - in Wort und Musik. In seinem persönlichen Einsatz auf der Bühne ist er eine allererste Marke. Wir sehen uns selten, aber wenn, haben wir eine helle Freude aneinander.

Was halten Sie von den Comedians?
SCHNEYDER: Comedians haben eine furchtbare professionelle Deformation. Sie treten auf, damit die Leute lachen. Das führt zu einer tödlichen Falle. Das ist Idiotie für Idioten. Immerhin haben wir in Österreich Michael Niavarani. Ein Blödler von höchster Intelligenz.

Sie gehen auch im nächsten Jahr noch auf Tour?
SCHNEYDER: Richtigen Tourneen mache ich nicht mehr. Aber ich werde in mehr als 20 Städten auftreten. Oft auch in Deutschland.

Zur Person

Werner Schneyder, in Graz geboren und in Klagenfurt aufgewachsen, wurde über die Grenzen Österreichs bekannt, als er von 1974 bis 1982 zusammen mit Dieter Hildebrandt als hochgelobtes Kabarettisten-Duo auftrat.

Der gelernte Ringrichter kommentierte Boxkämpfe unter anderem bei den Olympischen Spielen 1984.

Schneyder hat am Theater inszeniert, rund 20 Bücher geschrieben wie aktuell "Gespräch unter zwei Augen", und mehr als 1.000 Auftritte als Kabarettist und Sänger absolviert.

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