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BuchkritikErschütternde Nachhilfestunde in Sachen Rote Khmer

"Das Geburtstagsfest" von Judith W. Taschler taucht in das Regime der Roten Khmer ein.

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Auch in Kambodscha tauert die Aufarbeitung der Verbrechen der Roten Khmer noch an
Auch in Kambodscha tauert die Aufarbeitung der Verbrechen der Roten Khmer noch an © EPA (Philippe Lopez)
 

Als „Steinzeitkommunismus“ wird die Herrschaft des Pol-Pot-Regimes in Kambodscha Mitte der 1970er-Jahre bezeichnet, in der Intellektuelle wie Ärzte und Lehrer abgeschlachtet wurden und die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden sollte. Der Utopie einer reinen Agrargesellschaft fielen während des Schreckensregimes 1,7 Millionen Menschen zum Opfer.

Das Schicksal von manipulierten Kindersoldaten wird im jüngsten Roman der in Innsbruck lebenden oberösterreichischen Autorin Judith Taschler in ihrem spannenden Roman aufbereitet: Der gebürtige Kambodschaner Kim ist ein erfolgreicher Architekt mit Familie in Österreich. Als sein jüngster Sohn beschließt, als Überraschung zum 50. Geburtstag seines Vaters dessen Jugendfreundin Tevi einzuladen, entspinnt sich ein Kampf zwischen Verdrängung und Erinnerung. Denn Tevi, das Mädchen, das Kim aus dem Inferno auf seinem Rücken gerettet hatte, geht ganz anders mit ihrer Vergangenheit um als der abweisende Familienvater.

Tagebucheintragungen, E-Mails und Schilderungen in erster Person ergeben den raffinierten Zeit-, Orts- und Perspektivenwechsel, mit dem Judith Taschler ihre Leser in Atem hält. Nach und nach entsteht aus dem Mosaik das berührende Gesamtbild einer Familie zwischen Lebenslüge und Überlebenskampf, eine erschütternde Nachhilfestunde in Sachen Rote Khmer. Täter oder Opfer? Die Frage nach den Schuldigen bleibt offen.

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