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Michel FoucaultDer Philosoph und der Sex

Vor 35 Jahren verstarb der Philosoph Michel Foucault. Nun ist posthum ein neues Buch, eine Vorsetzung seiner Geschichte der Sexualität, erschienen. Warum es sich immer noch enorm lohnt, Foucault zu lesen.

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Paul Michel Foucault (1926-1984), French
Michel Foucault, der einflussreichste Philosoph Frankreichs im 20. Jahrhundert © Bruno de Monès / Roger Viollet /Picturedes
 

Ein Mensch als Denkmaschine. Wer in einer Biografie über Michel Foucault blättert, erkennt, wie rückhaltlos sich der 1926 in der französischen Provinz Geborene dem Philosophieren verschrieben hat. Innerhalb einer Lebensspanne von nicht einmal 58 Jahren veröffentlicht Foucault Dutzende Bücher, hält Vorlesungen, veröffentlicht unzählige Artikel und Analysen. Dazwischen bleibt ihm Zeit, sich politisch zu engagieren. Für die polnische Solidarnosc-Bewegung, gegen den Schah von Persien, gegen die Institution Gefängnis, Letzteres sogar in militanter Form, was ihm Verhaftungen einhandelt. Als er auf die Straße geht, um gegen die Auslieferung eines RAF-Anwalts zu protestieren, wird er von der Polizei verprügelt.

Es ist ein rastloses, vor Arbeit überquellendes Leben, das 1984 jäh endet: Foucault stirbt an Aids. Nicht ohne vorher Veröffentlichungen aus dem Tausende Seiten umfassenden Nachlass zu untersagen. 2018 wird das Verbot übergangen und der vierte, aus dem Nachlass montierte Band seiner „Geschichte der Sexualität“ veröffentlicht. Fast auf den Tag 35 Jahre nach dem Tod Foucaults ist er auch auf Deutsch erschienen (siehe unten). Es ist vermutlich nicht die letzte Nachreichung aus dem Denkkosmos des einflussreichsten Philosophen Frankreichs im 20. Jahrhundert.

Sein Werk ist kaum überschaubar. Der studierte Psychologe widmet sich erst einer Geschichte des Wahnsinns, wendet sich der Untersuchung von Wissenschaftsdiskursen zu, wird später zum Analytiker der Macht und der „Disziplinargesellschaft“, um am Ende bei der Betrachtung der Sexualität und des Selbst zu landen. All seinen Studien ist der historische Ansatz gemeinsam. Foucault wächst eigentlich aus der strukturalistischen Philosophie der Nachkriegszeit hervor. Eine Denkschule, die die „Strukturen“ analysiert: jene der Sprache, der Familie, der Politik, der Religion, der Psyche. Für Foucault ein Irrweg, da er solche Strukturen nicht als naturgegeben, starr und überzeitlich, sondern als von Menschen erzeugte, also historische Phänomene erkennt, die veränderlich sind. Foucault: „Ich bin davon überzeugt, dass alle Vorstellungen von der menschlichen Natur, von Gerechtigkeit oder der Verwirklichung einer menschlichen Daseinsessenz Ideen und Begriffe sind, die von unserer Zivilisation geprägt sind.“

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