Das Kino ist nicht tot. Zumindest nicht das Viennale-Kino. Das größte Filmfestival des Landes feiert das von Cannes bis Venedig ausgezeichnete Filmschaffen, eigensinniges Austro-Kino und meisterliche Retrospektiven in ausverkauften Sälen. Nebst James Grays „Armageddon Time“ oder Laura Poitras’ „All the Beauty and the Bloodshed“ holte Direktorin Eva Sangiorgi auch Oscarfavorit „Women Talking“ von Sarah Polley nach Wien.
Die Kanadierin hat den beklemmenden Roman von Miriam Toews mit einem hochkarätigen Ensemble (Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Frances McDormand) für die Leinwand adaptiert. Nach wahrer Story wird darin von acht Frauen in einer mennonitischen Gemeinde in Bolivien erzählt. Ihre Männer betäuben und vergewaltigen sie, denunzieren diese Akte als „wilde weibliche Fantasien“. Zwei Tage haben die Frauen Zeit für eine Entscheidung: den Männern verzeihen und bleiben? Oder gehen? In einer Scheune debattieren sie generationenübergreifend ihren Wert, ihre Unterordnung, ihre Körper, ihre Freiheit – und wie diese aussehen könnte. Eloquent, klug, mit feinem Humor versehen, verhandelt Polley mit famosen Schauspielerinnen Machtmissbrauch und Emanzipation, aber universell auch das Frausein in einer patriarchalen Welt. Kinostart: 26. Jänner 2023.