Laut Gesetzesentwurf soll die "Wiener Zeitung" künftig 16,5 Millionen Euro pro Jahr vom Bund erhalten, 7,5 davon für ein Online-Medium. Sein Inhalt erinnert daran, dass in der Diskussion über das drohende Ende der Papier-Tageszeitung die dabei erwähnte Neukonzeption in Richtung der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) fast untergegangen ist. Eine Kombination der Aufgaben einer solchen Behörde mit journalistischer Kommunikation könnte aber der Königsweg für die "Wiener Zeitung" sein. Tagesaktualität inklusive.

Die Republik leidet unter ständig wachsendem Nachholbedarf an politischer Bildung – ausgelöst durch die ursprüngliche Opferrolle Österreichs im Vergleich zum Täterstaat Deutschland. Der technologische Fortschritt entlarvt zudem enorme Lücken an inhaltlicher Medienkompetenz. Darüber hinaus offenbart die gesellschaftliche Entwicklung drastische Mängel an persönlicher Handlungsqualifikation. Um diese Missstände abzubauen, benötigen Staat, Schule und Familien mehr Hilfe, als es heute gibt. Die bpb liefert das durch eine Vielzahl von Publikationen (digital und auf Papier). Sie hilft damit auch hierzulande immer wieder aus, wenn es darum geht, Demokratie zu lehren und lernen.

Mit der Neuaufstellung der "Wiener Zeitung" hätte Österreich (und die formidable Redaktion des Blattes) die Möglichkeit zur Weiterentwicklung des bpb-Modells: Sie läge in Verbindung mit journalistischem Know-how für ein tagesaktuelles Medium. Es müsste nicht der antiquierten Auffassung von Tageszeitung entsprechen sondern einer schnellen Eingreiftruppe in Sachen Tatsachen. Vielleicht ist das ohnehin eine der wichtigsten Zukunftsrollen des Prinzips Zeitung: zu sagen, was bleibt vom Tag –meinungsstark, aber vor allem gestützt von einem ZDF im Sinne von Zahlen, Daten, Fakten.

16,5 Millionen Euro nur für die "Wiener Zeitung" sind doppelt so viel Geld wie bisher die gesamte offizielle Presseförderung des Bundes. Das Nachdenken über die Alternativen sollte im Wehklagen über den drohenden Papierverlust also nicht ganz untergehen. Der Status "Instanz" wäre der beste Weg, um das Kulturgut zu erhalten.