Dass in diversen Rezensionen über das neue Album von Lizzo, bürgerlich Melissa Viviane Jefferson, noch immer vermeintlich witzige, aber tatsächlich geschmacklose Wortspielereien über ihren Körper hingerotzt werden, zeigt, dass die Diskussionen über Body-Shaming längst nicht erledigt sind.

„Special“ heißt das neue, vierte Album der 34-Jährigen Künstlerin, einer schillernden Pop-Persönlichkeit, die auch eine eigene Modekollektion auf den Markt gebracht hat und als Gastgeberin einer Casting-Show fungiert. 2019 raste sie mit „Cuz I Love You“ in den Mainstream-Olymp, heimste drei Grammys ein, war auf dem Cover des „Time“-Magazins zu sehen.

In knappen 35 Minuten und zwölf Songs bringt Lizzo auf „Special“ ihre einfache, wunderbar schnoddrig artikulierte, aber offenbar noch immer nicht überall verstandene Message auf den Punkt: Jede und jeder ist wunderbar und schön, so wie sie, er ist.

Musikalisch ist Lizzo auf der Höhe der Zeit, ohne Referenzen aus der Vergangenheit aus dem Weg zu gehen. Da funkelt die Disco-Kugel, da blubbern 80er-Synths über die Tanzfläche, da werden Lauryn Hill und die Beastie Boys gesampelt. Das Ergebnis ist schamfreier Wohlfühl-Pop mit inhaltlichen Widerhaken. So ist etwa der Song „Grrrls“ ein unmissverständliches Feminismus-Statement.
Fazit: Nach dem Hören nicht wundern, dass man plötzlich fröhlich ist. Schadet derzeit auch nicht.

Albumtipp: Lizzo. Special. Warner.

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