Das Gespräch mit einem Beziehungssuchenden beginnt oft mit "Ich wünsche mir ..." und Stereotypen, wie schaffen Sie es aber, ein Vertrauen aufzubauen, damit sich die Menschen öffnen?
NINA HOROWITZ: Wenn man von der neuen Liebe spricht, geht’s ja immer um Träume, Fantasien und Ideale. Um Eigenschaften, die man jetzt sucht, weil sie in der vorherigen Beziehung vielleicht gefehlt haben. Das mag stereotyp wirken, aber oft sind es eben die Kleinigkeiten, die zu ständigen Streitereien geführt haben. Deshalb sind viele Singles so konkret in ihren Vorstellungen. Ich werte das nicht. Und ich wünsche jedem und jeder Einzelnen ihr Glück. Das spüren viele und öffnen sich. Die Cutterin der "Liebesg’schichten", Bettina Mazakarini, und ich bauen daraus Porträts, die sehr authentisch, individuell und abwechslungsreich sind. Weil eben die Singles viel von sich erzählen.

Kommen oft Bitten danach, etwas nicht zu senden?
Wenn ein Single nach dem Interview bei den Redakteurinnen Beatrice Rössler, Stefanie Speiser oder bei mir anruft und bittet, ein Detail wegzulassen, gehen wir natürlich darauf ein. Man sagt ja in einem Gespräch manchmal Dinge, die man so vielleicht gar nicht gemeint hat und die erst im Nachhinein sickern. So geht’s uns doch allen.

Hat sich seit 2020 Ihr Liebesverständnis geändert – durch die intensive Beschäftigung mit den Vorstellungen Ihrer Gesprächspartner?
Nein. Dass die Liebe ein heikles Terrain ist, war mir schon vorher klar.

Blicken Sie auf die Tage zurück, als Sie zugesagt haben, das Format zu übernehmen: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt? Oder gab es überraschende Wendungen?
Ich hab’s noch keinen Tag bereut, diesen Job angenommen zu haben. Es gibt viele Überraschungen. Jedes Mal, wenn ich wieder einen neuen Single kennenlerne, bin ich gespannt, wie er oder sie tickt.

Hatten Sie das Gefühl, sich schnell von der "Überfigur Elizabeth T. Spira" lösen zu können?
Kein Zweifel, Toni Spira war eine hervorragende Journalistin. Und die "Liebesg’schichten" zu übernehmen, war ein Wagnis. Aber mein Team und ich haben schnell gemerkt, dass die Sache gut geht.


Ist Ihrer Meinung nach durch die Sendung das Bewusstsein für Liebe im Alter anders geworden, weniger verschämt?
Ich hoffe sehr! Die älteste Bewerberin dieses Jahr ist die 90-jährige Helene aus Oberösterreich. Eine wunderbar offene Frau, die gleich, nachdem das Kamerateam und ich bei der Tür reingekommen sind, gesagt hat, dass sie unbedingt einen Twist tanzen will. Und wir das doch bitte gleich mitfilmen sollen. Helene hat dann im Interview den schönen Satz gesagt: "Für die Liebe ist man nie zu alt!" Recht hat sie.

Es ist nun die erste Staffel, die Ihre Frau als Programmdirektorin mitverantwortet: Wie schafft man die Balance zwischen Chefin und Partnerin beim Feedback?
Natürlich tauschen wir uns aus. Aber am Ende macht jede ihren Job. Und das ist gut so.

Patrick (22) aus dem Weinviertel ist Lokführer und eröffnet die neue, nunmehr 26. Staffel im ORF
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