„Ich bin überwältigt. Ich werde lange brauchen, um das zu verstehen.“ Vor mehr als 50 Jahren hat Peter Simonischek (75) an der damaligen Grazer Kunsthochschule Schauspiel studiert („Das erste Mal, dass ich mich in meinem jungen Leben frei fühlte“). Am Dienstag verlieh ihm seine Alma Mater nun die Ehrendoktorwürde – nach Phil Collins ist der frisch gebackene Dr. Simonischek übrigens erst der zweite, dem die Kunstuni diese exquisite Ehre zuteil werden lässt.

Rektor Georg Schulz und Senatspräsident Wolfgang Hattinger wiesen auf die großen künstlerischen Leistungen des Burgschauspielers und Ex-„Jedermann“ hin, Laudatorin Waltraud Klasnic würdigte auch das „große Herz“ des Stars, der sich mit seiner Frau Brigitte Karner häufig für Benefizauftritte zur Verfügung stellt. Für Simonischek war der Abend nicht nur aufgrund der verliehenen Würde ein besonders emotionaler: Als besondere Überraschung stellten Schauspiel-Studierende mit ihm gemeinsam ein Foto nach, dass ihn 1970 mit der Hochschul-Fußballmannschaft zeigt. Vollends überwältigt war Simonischek, als ihm dann auf der Bühne auch noch zwei seiner damaligen Studienkollegen gratulierten - Rolf Stahl und Oskar Kravanja haben in Graz Jahrzehnte als Schauspiellehrer gewirkt.

Ehrendoktorwürde, Peter Simonischek, 2022, Lichtenfelsgasse 14
Überraschender Blick zurück: Simonischek sieht sich selbst auf einem Fußball-Mannschaftsbild von 1970. Er ist der dunkelhaarige Mann rechts unten
© Verena Pöschl

Für die nächste Künstler-Generation, die beim Festakt für musikalische und schauspielerische Intermezzi sorgte, hatte der Geehrte nur ermutigende Worte: "Ich sehe in euch unglaubliche Möglichkeiten", stellte er fest und gab ihnen einen Rat mit: Gerade im Schauspielberuf, in dem man sich "im Kollektiv und als Solist" behaupten müsse, sei die Unterstützung und Wertschätzung durch Kolleginnen und Kollegen enorm wichtig: "Es ist oft gesagt, aber denkt daran, dass die Liebe mehr wird, je mehr man sie verschwendet." Aber auch warnende Worte fand der Schauspieler zum gegebenen Anlass: Gerade in einer Kunst, die "vom Verstellen" lebe, herrsche derzeit eine Tendenz zur "Correctness-Inquisition", in der darüber gestritten werde, ob die Britin Helen Mirren die jüdische Politikerin Golda Meir spielen dürfen und am besten nur noch Bucklige als Richard III. auf der Bühne stehen sollten: "Wir müssen aufpassen, dass uns das nicht mehr Freiheiten nimmt, als die Kunst entbehren kann." Nebst Studierenden und Lehrpersonal lauschte dem auch Prominenz wie der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl, der gerade einen Tag zuvor emeritierte Altlandeshauptmann Hermann Schützenhöfer mit seiner Frau Marianne, Bundestheater-Chef Christian Kircher, der Grazer Altbürgermeister Alfred Stingl Und Oberlandesgerichtspräsident Michael Schwanda.

Außergewöhnliche Karriere

Als Film- und Bühnenschauspieler kennt man Peter Simonischek nicht nur als "Jedermann"-Darsteller, sondern auch aus Filmen wie "Toni Erdmann" und "Herrenjahre". Zu den zahlreichen Auszeichnungen des gebürtigen Oststeirers gehören unter anderem eine Platin-Romy für das Lebenswerk, diverse Ehrenzeichen, der Grimme-Preis und die Ehrenmitgliedschaft am Burgtheater. "Jedermann kennt Peter Simonischek als großartigen Schauspieler. Er hat auch angesichts seiner imponierenden internationalen Karriere seine Wurzeln nie vergessen. Er ist ein bedeutender Charakterdarsteller, bekennender Steirer und Familienmensch mit großem und weitem Herzen", würdigte die ehemalige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) den 75-Jährigen in ihrer Laudatio. "Die Kunstuniversität Graz ist stolz darauf, ihr erstes Ehrendoktorat im Bereich Schauspiel an unseren Absolventen Peter Simonischek verleihen zu können. Sein außergewöhnlicher künstlerischer Ausdruck schöpft aus Authentizität und Integrität, damit ist er ein ideales Vorbild für unsere Studierenden", betonte Rektor Georg Schulz.

Simonischek hat an der KUG seine Ausbildung erhalten, damals trug sie noch den Namen "Akademie für Musik und darstellende Kunst". Peter Simonischek wurde am 6. August 1946 in Graz geboren und wuchs im oststeirischen Markt Hartmannsdorf auf. Er begann ein Studium auf der Technischen Hochschule in Graz, außerdem auf Wunsch seines Vaters, der Zahnarzt war, eine Zahntechniker-Ausbildung. Bald interessierte ihn aber nur mehr der Schauspielberuf, und er begann eine Ausbildung an der heutigen Kunstuniversität. Er stand auch im Grazer Schauspielhaus auf der Bühne, wohin er Jahrzehnte später zurückkehrte – etwa als Henrik Ibsens "Baumeister Solness" und in Götz Spielmanns "Imperium".

Simonischek, hier mit Verena Lercher, 2008 als "Baumeister Solness" am Grazer Schauspielhaus
© Bühnen Graz/Manninger

Seit der Spielzeit 1999/2000 gehört er dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an. Von 1979 bis 1999 war er Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne unter der Leitung von Peter Stein und später Andrea Breth. Seine intensive Filmkarriere verlief parallel zu seiner Bühnentätigkeit. Er spielte in Axel Cortis "Herrenjahre" (1983) ebenso wie in Margarethe von Trottas "Fürchten und Lieben" (1988) oder "Gebürtig" (2002, Lukas Stepanik und Robert Schindel).

Als Toni Erdmann in Maren Ades Film feierten ihn Publikum und Kritik gleichermaßen: Eingeladen zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2016, wurde er beim Europäischen Filmpreis als "European Actor 2016" und beim 45. Festival du nouveau cinéma in Montréal als "Bester Schauspieler" ausgezeichnet.

Peter Simonischek war in erster Ehe mit Charlotte Schwab verheiratet, der gemeinsame Sohn Max Simonischek ist ebenfalls Schauspieler. Mit seiner zweiten Frau Brigitte Karner – ebenso Schauspielerin wie seine erste Frau – hat er zwei Söhne. Als Familienprojekt könnte man die Hörspiel-Produktion von Thomas Bernhards "Theatermacher" sehen, die am Samstag (9. 7.) in Ö 1 zu hören ist und im September auf CD erscheint: Simonischek ist in der Rolle des Staatsschauspielers Bruscon zu hören, ihm zur Seite stehen Ehefrau Brigitte und Sohn Kaspar, der in Linz Schauspiel studiert.