Das Intro gab das Motto vor: "Music makes you lose control" und "Work your body to the beat" schallte es Montagabend aus den Boxen in der Wiener Stadthalle. Dann lieferte Dua Lipa für rund 90 Minuten eine kurzweilige, bunte Pop-Show mit schweißtreibenden Tanzeinlagen, die nichts kaschieren mussten. Denn die 26-Jährige überzeugte besonders mit ihrer starken Stimme. Die rund 13.000 Fans zuckten programmgemäß aus. Die schwankende Qualität der Songs tat dem keinen Abbruch.

2016 hatte die in London geborene Sängerin mit albanischen Wurzeln beim Donauinselfest ihr Österreichdebüt gegeben. Nun kehrte sie, pandemiebedingt, mit Aufschub, als dreifache Grammy-Gewinnerin in die Bundeshauptstadt zurück. Allein mit dem perfekten Auftakt war das zweite Gastspiel gewonnen: Zunächst waberten Beats durch den Saal, aus dem sich der Track "Physical" schälte, ehe echte Drums dem Song den richtigen Kick verpassten und eine dynamische Dua Lipa im pinken Catsuit, umwirbelt von einem hochklassigen Tanzensemble, mit Power zurück in die Achtziger führte. Willkommen bei "The Future Nostalgia Tour".

In der Rolle der Olivia Newton-John der 2020er-Jahre war Dua Lipa ebenso gut aufgehoben wie in der einer lasziven Pop-Diva ("Good In Bed") im Glitzerbody. Ständig in Bewegung, ob auf Händen getragen, über einen Laufsteg tanzend, mit einem Raumschiff-Käfig abgehoben oder wild die Mähne schüttelnd, es saß jeder Schritt und jeder Ton. Naturgemäß stachen Hits wie "One Kiss", "Cold Heart" (mit Elton John auf der Videowall) und "New Rules" heraus, nicht alle Songs konnten mit diesen ganz mithalten. Man muss Lipa allerdings zugutehalten, dass ihre Diskografie erst zwei Alben aufweist und echte Füller nicht zu hören waren.

In der durchgetakteten Darbietung mit stylischen Lichteffekten, halsbrecherischen Rollerskatern und frenetisch bejubelten Choreografien blieb kein Platz für Spontanität, aber dank Können und Ausstrahlung von Dua Lipa wirkte die Show nie steril oder aufgesetzt. Auch passte die Dosis an Einlagen auf, um und über der stilvoll designten Bühne. Das fulminante "Electricity", zu dem eine Unmenge als Luftballons durch die Luft wirbelten und zur Tanzparty im Bällebad animierten, unterstrich die Intention: Entertainment pur. Dua Lipa ist angekommen und auf dem besten Weg zu einer konstanten Größe in ihrem Metier.