Sie galt als der weibliche Steve Jobs: Elizabeth Holmes und ihre Firma Theranos traten mit dem Versprechen an, Bluttests zu revolutionieren. Ein Tropfen des Körpersafts sollte reichen, um 240 Krankheiten nachzuweisen. Investoren standen Schlange, 2015 wurde das Vermögen der Amerikanerin auf 4,5 Milliarden Dollar geschätzt. Nachdem das Lügengebäude spektakulär zusammenbrach – der Bluttest erwies sich als weitgehend wirkungslos – war vom Vermögen freilich nichts mehr übrig.

Die Hulu-Serie „The Dropout“ erzählt Holmes’ Geschichte und beginnt 2002: Im Zimmer der Hauptfigur der Hauptfigur (gespielt von Amanda Seyfried) hängt ein Plakat des Apple-Messias, im Wohnzimmer verkündet der Vater, dass er durch den Enron-Skandal seinen Job verliert. Enron, was war das noch einmal? Ein gigantisches Lügengebäude führte damals zum Zusammenbruch des US-Energiekonzerns. Seine Tochter dürfte aus diesem Drama nur eine Botschaft mitgenommen haben: Lügen machen reich, wenn man sie gut und furchtlos erzählt.

Geradliniger und weniger aufgesetzt als „Inventing Anna“ über die Hochstaplerin Anna Sorokin geht Serienmacherin Elizabeth Meriwether („New Girl“) in „The Dropout“ vor. Während die Netflix-Serie wie ein Kaugummi durchgekaut wird, entwickelt die Hulu-Serie ihre Stärken dort, wo die Betrügerin sich dem Abgrund nähert.

Die reale Betrügerin hat den letzten Akt ihres Abstiegs noch vor sich: Im Herbst erfährt Holmes das Strafmaß, bis zu 20 Jahre Haft drohen.