"Herr, erbarme dich!": Zuerst strahlend und vom vollen Orchester begleitet, erklangen diese Worte im Chor, um dann immer sanfter werdend und schließlich nur noch mit einer Viola in einen immer leiser werdenden Dialog zu treten: So endete die "Passion nach Kapiteln von Andrej Schuster Dabrovsnik" von Uroš Lajovic im Konzerthaus Klagenfurt, veranstaltet vom Christlichen Kulturverband.

Es ist ein völlig tonales Werk des gebürtigen Laibachers, 1967 erdacht und 2017 überarbeitet, mit dunklen Farben und Formen in alter barocker Tradition. Der Text des im Titel erwähnten slowenischen Schriftstellers beinhaltet ein intimes Gespräch zwischen Maria und Jesus am Vorabend des letzten Abendmahles. Maria möchte lieber für ihren Sohn sterben, als ihn leiden zu sehen. Aber sie fügen sich in das Unvermeidliche. Der 77-jährige Uroš Lajovic, der an der Wiener Musikuniversität eine Professur für Dirigieren innehatte und zahlreiche internationale renommierte Orchester dirigierte, stand selbst am Pult seines Werkes. Mit frischer Agilität leitete er, jeden Einsatz präzise gebend, das Radiosymfonieorchester Slovenija, das ihm klangschön und nuanciert folgte, sowie den intonationssicheren Kammerchor Ave. (Einstudierung: Gregor Klančič, der auch bei den Rezitativen die Orgel bediente).

Als Solisten hörte man ein feines Sängertrio mit Marta Močnik Pirc (Maria) mit reinem, glasklarem Sopran, Dejan Vrbančič (Evangelist) mit hellem, höhensicherem Tenor und Jože Vidic (Jesus) mit profundem, sehr tief notiertem Bariton, bei dem nur einige höhere Töne unschön zu hören waren.

Zuvor wurde noch das Werk "Inventiones ferales" aus 1962 musiziert, das Überlegungen über Leben und Tod beinhaltet. Bei diesem ebenfalls mäßig modernen, meist ruhig dahinfließenden Stück von Uroš Krek glänzte die Geigerin Lana Trotovšek als tonreine, berührende, virtuose Solistin. Heftiger Applaus!