Bis zu seinem Lebensende arbeitete Ludwig van Beethoven an einer zehnten Sinfonie, von der jedoch nur Skizzen und Arbeitsstudien vorhanden sind. Anhand dieser Fragmente hat ein internationales Team aus Experten das Werk anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz fertiggestellt.

Uraufgeführt wurde das Werk im letzten Oktober durch das Beethoven Orchester Bonn. Mit der österreichischen Erstaufführung dieser Sinfonie wird am 9. Juli der Carinthische Sommer eröffnet, und zwar von Prisma Wien auf historischen Instrumenten und unter der Leitung von Thomas Fheodoroff. Erstmals gibt es anstelle einer Festrede einen Dialog mit Experten, die an der 10. Sinfonie mitgewirkt haben.

Steinhaus und Heft

Insgesamt steht der Carinthische Sommer heuer unter dem Motto "Die Zerbrechlichkeit der Geometrie", ein Zitat von Günther Domenig. Heuer jährt sich der Todestag des Architekten zum zehnten Mal – ein guter Grund, diesem großen Künstler einen spartenübergreifenden Schwerpunkt zu widmen. "Mich hat der Mensch und Künstler vom ersten Augenblick an beeindruckt", sagt CS-Intendant Holger Bleck. Das Domenig Steinhaus am Ossiacher See ist seit Jahren Spielort des CS, heuer soll aber auch die Heft bespielt werden, die Domenig für die Kärntner Landesausstellung 1995 gestaltet hat. Das Ensemble CrossNova wird an verschiedenen Stationen der ehemaligen Eisenwerksanlage spielen und so auch interessante Perspektiven auf diese Architektur liefern.

Im Rahmen des Klassik-Schwerpunktes sind heuer vier Orchester zu hören: Unter anderem kehren das Wiener Jeunesse Orchester und der Perkussionist Martin Grubinger wieder. 2020 eröffneten sie gemeinsam den Carinthischen Sommer, am 21. Juli stehen – wieder in der Ossiacher See Halle – unter anderem "Metastaseis" des griechischen Komponisten und Ingenieurwissenschaftlers Iannis Xenakis  sowie Strawinskis "Le sacre du printemps" auf dem Programm. Auch das Kärntner Sinfonieorchester ist wieder zu Gast, und zwar mit einer Operngala der jungen Stars. Mit dabei sind die russische Sopranistin Valeriia Savinskaia und der südkoreanische Tenor Kangyoon Lee (am 19. August im Congress Center Villach).

Am 30. August endet das Festival dann mit dem Mahler Chamber Orchestra, das unter der Leitung seines Konzertmeisters Matthew Truscott unter anderem Mozarts "Sinfonia Concertante KV 364" spielen wird. Solisten des Abends sind Isabelle Faust (Violine) und Antoine Tamestit (Viola).

Buchbinder-Jubiläum

Außerdem zu Gast: Rudolf Buchbinder spielt am 8. August Beethoven - und feiert gleichzeitig ein Jubiläum: Exakt am 8. August vor 50 Jahren hatte der Star-Pianist seinen ersten Auftritt beim Carinthischen Sommer. Der Pianist Fazyl Say spielt am 17. Juli im Stiftshof Ossiach, das Bach Consort Wien kommt mit Bachs "Musikalischem Opfer" in die Stadtpfarrkirche St. Jakob in Villach. Vormerken sollte man sich auch den 26. Juli: Da kommt mit Andreas Scholl einer der gefragtesten Countertenöre mit Liedern von Dowland und Brouwer nach Ossiach.

Erstmals gibt es auch ein Metal-Konzert beim Carinthischen Sommer: Die Black Metal Band "Dornenreich" spielt am 5. August in der Johanneskirche in Klagenfurt. Der Kärntner Lukas Kranzelbinder kommt mit seiner Formation "Shake Stews", die im Vorjahr beim Deutschen Jazzpreis in der Kategorie "Beste Band des Jahres international" ausgezeichnet worden ist. Im Gepäck hat er das neue Album (A)live.

Kooperationen

Kooperationen gibt es heuer erstmals mit den "Carinthischen Dialogen" auf Schloss Bach in St. Urban, die heuer am 22. und 23. Juli unter dem Motto "Resonanz – Räume" stehe sowie mit dem Mittelfest Cividale. Gemeinsam will man die Vielfalt und Qualität des jungen Kunst- und Musikschaffens in Europa fördern, eine jung besetzte Jury suchte jene Künstlerinnen und Künstler aus, die nun beim Mittelfest in Cividale und beim CS (am 13. August im Congress Center Villach) zu hören sind.

Insgesamt gibt es heuer 22 Konzerte, für die 9000 Karten aufgelegt werden. Damit ist man wieder ungefähr auf Vor-Pandemie-Niveau: "Wir gehen davon aus, dass wir noch unter Corona-Bedingungen spielen, aber normal bestuhlen können." Die öffentlichen Förderungen sind unverändert geblieben (380.000 Euro vom Land Kärnten, 300.000 Euro vom Bund und 170.000 Euro von der Stadt Villach).