"Paw Patrol"Eine Merchandising-Maschinerie, die allzeit bereit ist

Die Zeichentrick-Figuren der "Paw Patrol" sind jetzt im Kino gelandet: Der Film ist aber nicht bloß Film allein, er ist Teil einer großen Merchandising-Maschine. Die Handlung spiegelt auch den "Alarmismus" unserer Gesellschaft wider.

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Skye, Chase, Marshall und Rubble (von links nach rechts) - ein Teil der "Paw Patrol"
Skye, Chase, Marshall und Rubble (von links nach rechts) - ein Teil der "Paw Patrol" © imago images/ZUMA Press (Paramount Pictures via www.imago-images.de)
 

"Das ist ein Fall für Chase". Wenn Sie diesen Satz hören, sind Sie im Universum von Paw Patrol gelandet: Chase ist ein deutscher Schäferhund und Polizist. Er ist Mitglied der "Helfer auf vier Pfoten" und ist in jeder Folge der Zeichentrickserie gemeinsam mit seinen Hunde-Freunden Marshall (Dalmatiner), Skye (eine Mischung aus Cockerspaniel und Pudel) oder Rocky (Mischlingswelpe) auf einer abenteuerlichen Mission. Die Serie hat es nun sogar ins Kino geschafft: Die Such-, Rettungs- und Alles-mögliche-Hunde dürfen jetzt auf der großen Leinwand auf Einsatz gehen.

In einem gewissen Alter kommen Kinder nicht an dieser Sendung vorbei: Die aus Kanada stammende Serie hat als Zielgruppe die 2- bis 6-Jährigen. Die Kinderserie hat auch die Vermarktung von Spielzeug als Ziel. All das ist nicht neu: Als George Lucas in den 1970er-Jahren seine Star-Wars-Saga ins Kino brachte, erfand er für das Filmbusiness gleich das Merchandising mit. Figuren, T-Shirts, Kaffeebecher und Uhren - ein Film oder eine Fernsehserie standen fortan nicht mehr  für sich, man konnte dieses Universum mit nach Hause nehmen und sich seine eigene Welt erschaffen.

Unternehmen wollen ihre Produkte verkaufen: Film- und Fernsehen sind dabei ein grandioser Partner im globalen Business. Beim Merchandising verdienen alle: Filmfirmen, Spielzeughersteller, Süßigkeitenmogule, Kakaoproduzenten, Kunststoffproduzenten etc. Während die Kinder sich für Chase und Marshall erwärmen, passiert zweierlei: Einerseits interessieren sie sich plötzlich für Seilwinden, Kräne, Flugzeuge und leben in einer technisch stark aufgeladenen Welt. Das Fahrzeug wird zum Objekt der Begierde: Autos, Flugzeuge, all das wird mit einem Mal gebraucht. Und damit befinden wir uns schon mitten in der Konsumgesellschaft, denn in den Spielzeuggeschäften und Online-Basaren werden diese Objekte der kindlichen Fantasie alle angeboten. An der Konsumgesellschaft kommt man jedoch nicht vorbei, außer man entzieht sich ihr, indem man außerhalb der Gesellschaft lebt. Die Frage dabei ist auch: Werden die Kinder zu Konsumenten, weil sie "Paw Patrol" schauen oder, weil ihre bereits zu Konsumenten erzogenen Eltern den lieben Kleinen das Chase-Plüschtier oder den Marshall-Trinkbecher kaufen?

In der fiktiven Welt der Abenteuerbucht sind die Mitglieder der "Paw Patrol" Rettung, Feuerwehr und Polizei in einem - ständig bereit, Hilfe zu leisten oder Bürgermeister Besserwisser in die Schranken zu weisen. Dieser Besserwisser ist ein Politiker, der mit großer krimineller Energie ausgestattet ist. Am Ende des Tages ist alles wieder in Ordnung, die Welt wieder in Schwarz und Weiß eingeteilt  - bis die nächste Mission den Einsatz der "Paw Patrol" erfordert: Allzeit bereit! Für eine Welt in ständiger Alarmbereitschaft. 

Kommentare (1)
nussrebell
0
17
Lesenswert?

Man kann Kinder aber auch durchaus...

... dazu erzielen, nicht alles haben zu wollen, was sie sehen. Kostet allerdings ein bisschen Geduld und konsequentes Handeln. Auch bei sich selbst.